Zehn Protestanten und ihre letzten Ruhestätten

Albert Schweitzer

Foto: Foto: Roland Wolf/Deutsches Albert-Schweitzer-Zentrum Frankfurt a. M.

Die letzte Ruhestätte bekannter Protestanten liegt oftmals nahe ihrer einstigen Wirkungsstätte.

Männer wie Frauen haben im Zuge der Reformation dem Protestantismus ihre Stimme verliehen. Wo sie gewirkt haben, ist vielen bekannt. Ihr Schaffen wirkt bis in die heutige Zeit. evangelisch.de gibt einen Überblick, wo sie ihre letzte Ruhe gefunden haben und wie man sich ihrer erinnert.

Jan Hus (1369 - 1415)

Der Hussenstein in Konstanz.
Der Prager Theologe und Prediger Jan Hus wurde unter Vortäuschung freien Geleits nach Konstanz gelockt und dort vom Konzil zum Scheiterhaufen verurteilt und am Nachmittag des 6. Juli 1415 zusammen mit seinen Schriften verbrannt, weil er seine Lehre nicht wiederrief. Hus war stark beeinflusst von den Lehren John Wyclifs. Als man das Feuer anzündete, soll Hus gesungen haben: "Christus, Du des Lebendigen Gottes Sohn, erbarme Dich meiner!" Die Flammen schlugen ihm ins Gesicht, als er sang: "Du, der Du geboren bist von der Jungfrau Maria…". Heute erinnert ein Gedenkstein am mittelalterlichen Richtplatz in der danach benannten Straße "Zum Hussenstein" daran. Der Findling erinnert zugleich auch an den ebenfalls auf dem Konstanzer Konzil am 30. Mai 1416 hingerichteten Hieronymus von Prag. "Die Asche von Jan Hus wurde in den Rhein gestreut, damit nichts von seiner Leiche übrig blieb, das als Reliquie verehrt werden konnte. Das war im Mittelalter bei den Hinrichtungen von 'Ketzern' üblich", sagt Jan Kalivoda von der Hus-Museum-Gesellschaft in Prag. Über Hus Verhältnis zum Tod lässt sich sagen, dass er diesen als Übergang in eine Sphäre betrachtet habe, in der er rehabilitiert sei und möglicherweise auch für seine Gerechtigkeit und Mut belohnt werde.

Martin Luther (1483 - 1546)

Das Grab des Reformators Martin Luther in der Schlosskirche der Lutherstadt Wittenberg.
Der Reformator Martin Luther kämpfte in seinen letzten Lebensjahren mit einem Herzleiden. Auch hatte ihn der Tod seiner Tochter Magdalena im Jahre 1542 schwer getroffen. Seine letzte Vorlesung an der Wittenberger Universität soll er mit den Worten "Ich bin schwach, ich kann nicht mehr" geschlossen haben. Noch am 17. Januar 1546 reiste Luther in seine Geburtsstadt Eisleben, um Streitigkeiten in der Mansfelder Grafenfamilie zu schlichten, was ihm auch gelang. Am frühen Morgen des 18. Februar 1546 verstarb der 62-Jährige friedlich um 2.45 Uhr in Eisleben. Ernst Jünger zitiert in seinem Buch "Letzte Worte" auch die letzten Worte Martin Luthers, die da lauten: "Mir ist sehr wehe und angst; ich fahre dahin". Dann soll er gebetet haben: "Mein himmlischer Vater, ewiger, barmherziger Gott, du hast mir deinen lieben Sohn unseren Herrn Jesus Christus geoffenbart; den habe ich gelehrtet, den habe ich bekannt, den liebe ich, den ehre ich als meinen lieben Heiland und Erlöser welchen die Gottlosen verfolgen, schänden und schelten; nimm meine Seele zu dir!" Und weiter: "In deine Hände befehle ich meinen Geist", soll er lateinisch noch hinzugefügt, seine Hände gefaltet und schließlich einen letzten tiefen Atemzug geholt haben. Am 22. Februar wurde er neben der Kanzel in der Wittenberger Schloss- und Universitätskirche beigesetzt, wo er oft gepredigt hatte. Später wurde auch Philipp Melanchthon dort begraben. "Das Grab von Martin Luther spielt auch heute noch für die Besucher der Schlosskirche eine Rolle. Am Geburtstag und Sterbetag wird es besonders geschmückt", sagt der Wittenberger Probst Siegfried T. Kasparick. Auch wird an seinem Grab oft gesungen, beispielsweise: "Ein feste Burg ist unser Gott".

Katharina von Bora (1499 - 1552)

Epitaph: Oben rechts ist das Wappen der Familie von Bora, links oben ist die Lutherrose, Luthers Wappen.
Sie war Nonne und die Frau von Martin Luther. Im Laufe ihrer 20-jährigen Ehe mit dem Reformator brachte sie sechs Kinder zur Welt. Im Sommer 1552 floh sie mit ihrer Tochter Margarete vor der Pest und verließ Wittenberg. Als starke Persönlichkeit war Katharina von Bora für den Reformator auch eine seiner wichtigsten Vertrauenspersonen. Auf ihrem Weg nach Torgau wurde sie, als die Pferde scheuten, bei einem Unfall mit der Kutsche verletzt. Um ihre Kinder zu schützen, soll sie von der Kutsche gesprungen sein, landete in einem Wassergraben und brach sich ihren Beckenknochen. Drei Wochen später starb sie mit 53 Jahren am 20. Dezember 1552 an den Folgen des Unfalls. Auch hatte sie sich von ihrer Erkältung nicht mehr erholt. Ihr Sterbehaus in Torgau ist heute ein Museum. In der Torgauer Marienkirche wurde sie begraben. Die genaue Grabstelle ist bis heute unbekannt. In der Kirche befindet sich heute ein Epitaph mit der Inschrift: "Des Christen Herz auf Rosen geht, wenn's mitten unterm Kreuze steht."

Elisabeth zu Calenberg-Göttingen (1510 - 1558)

Epitaph von Elisabeth zu Calenberg-Göttingen.
Die Prinzessin und Herzögin gilt auch als "Reformationsfürstin". Sie veranlasste die Reformation im heutigen Südniedersachsen. Am 25. Mai 1558 starb sie einsam in Ilmenau. Beigesetzt wurde sie in der hennebergischen Familiengrablege im Kloster Veßra, die nach dem Tod ihrer Tochter 1566 in die St. Ägidien-Kapelle der St. Johannis-Kirche zu Schleusingen verlegt wurde. Der Sockel des von ihren Kindern finanzierten Epitaph des Innsbrucker Bildhauers Siegmund Buchlinger mit ihrem Abbild ist mit einer lateinischen Widmung versehen. Ihre Hände hat sie zum Gebet gefaltet. Das Gesicht ist noch jugendlich, trägt aber derbe Züge. Der Stein hat frei übersetzt folgende Umschrift: "Von Gottes Gnadem Elisabeth: geborene Markgräfin zu Brandenburg. Gräfin und Frau zu Henneberg starb ihres Alters im 48. Jahr 1558." Sie war bekannt unter verschiedenen Namen.

Argula von Grumbach (1492 - 1568)

Wann und wo sie gestorben und begraben wurde, ist noch heute umstritten. Vermutlich starb sie am 23. Juni 1568 in Zeilitzheim. Die Grabstätte der Reformatorin soll sich bei der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche St. Sigismund in Zeilitzheim befinden. Eine Gedenkplakette mit ihrem Bild gibt es am Gemeindehaus. Das Schloss, in dem sie gelebt hatte, ist längst durch einen Nachfolgebau ersetzt worden.

Paul Gerhardt (1607 - 1676)

Gedenkplatte an der Berliner Nikolaikirche mit der Liedzeile: "Ermuntert euch und singt mit Schall …"
Paul Gerhardt gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter. Das Evangelische Gesangbuch enthält heute 26 Lieder von Gerhardt, darunter etwa "Befiehl du deine Wege". Manche sagen, seine trostspendenden Lieder seien aus der Not des Dreißigjährigen Krieges erwachsen. Gerhardt lebte stets in bescheidenen Verhältnissen. Mit 70 Jahren ist er am 27. Mai 1676 in Lübben im Spreewald gestorben. Am 7. Juni wurde er im Chorraum seiner letzten kirchlichen Wirkungsstätte, in der Nähe des Altars, beigesetzt. Paul Gerhardt habe ein sehr direktes Verhältnis zum Sterben gehabt, sagt Pfarrer Olaf Beier von der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde in Lübben und fügt hinzu: "In seinen Liedtexten hat er das Sterben oft angesprochen, aber nie ohne Hoffnung auf die Einkehr in Gottes Geborgenheit. Er war dankbar für sein Leben und er war sehr erwartungsvoll auf das Kommende. Keine Vertröstung, sondern eine sehr einfühlsame Tröstung aus der Kraft des Glaubens widerspiegeln vieler seiner Texte." 200 Jahre nach Paul Gerhardts Tod wurde an seiner letzten Ruhestätte in Lübben eine Gedenktafel angebracht, die 1976 erneuert wurde. 1907 wurde vor der Kirche ein Denkmal errichtet. Seit 1930 trägt die Paul-Gerhardt-Kirche seinen Namen. Zugleich gestaltete man das Eingangsportal zum Turm der Kirche neu und versah es mit Gerhardts Liedzeile "Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit".

Dietrich Bonhoeffer (1906 - 1945)

Der Theologe und Widerstandskämpfer wurde im Alter von 39 Jahren am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg in Bayern hingerichtet. Hitler selbst erließ am 5. April 1945 den Befehl zu seiner Ermordung. An der St. Matthäus-Kirche in Berlin erinnert eine Gedenktafel daran, dass er dort am 15. November 1931 zum Pfarrer ordiniert wurde. Als Christ hatte er sich mit dem Leben im Glauben intensiv auseinandergesetzt. Sein Glaube ließ ihn unablässig für Frieden und Gerechtigkeit wirken. Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, der zur Evangelischen Kirchengemeinde in der Friedrichstadt in Berlin-Mitte gehört, gibt es zudem eine Gedenktafel am Grab seines Bruders Klaus Bonhoeffer. Die Inschrift lautet unter anderem "... erlitten den Tod im Widerstand gegen Unrecht und Gewalt" und "Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn das Himmelreich ist ihr" (Matth. 5,10). Die Asche Dietrich Bonhoeffers wurde verstreut.

Johann Hinrich Wichern (1808 - 1881)

Die Grabstätte Wicherns
Der Begründer der Inneren Mission der Evangelischen Kirche starb nach einer Leidenszeit mit Schwäche, Schmerzen und Schlaflosigkeit nach mehreren Schlaganfällen am 7. April 1881 in Hamburg. Dort wurde Wichern auf dem Alten Hammer Friedhof beigesetzt, wo auch viele andere sozial engagierte Hamburger ihre letzte Ruhe gefunden haben. Sein Vermächtnis lautet: "Wenn Gott es beschlossen hat, mich zu sich zu nehmen, so sollt Ihr, meine Lieben, wissen, daß mein einziges Gebet ist, daß ich selig werde, daß ich zu ihm komme und Frieden in ihm finde. Ich habe mich immer zu ihm bekannt, aber in großer Schwachheit. Er wird mir aber meine Sünden vergeben, darauf geht alle meine Hoffnung um seiner Liebe und Liebestat willen, um seines für mich vergossenen Blutes willen."

Albert Schweitzer (1875 - 1965)

Das Grab von Albert Schweitzer
Der Arzt und Theologe Albert Schweitzer ist mit neunzig Jahren am 4. September 1965 in Lambaréné in Französisch-Äquatorialafrika, dem heutigen Gabun, eine halbe Stunde vor Mitternacht gestorben, wo er von 1913 bis 1965 gelebt und sein Hospital gegründet hatte. Nachts hatte sein Herz aufgehört zu schlagen. Die Spitalglocken wurden am nächsten Morgen um sechs Uhr geläutet, um seinen Tod zu verkünden. Am Nachmittag wurde Schweitzer auf dem kleinen Friedhof neben seinem Haus begraben, an der Seite seiner Frau Helene. "In den Gräbern daneben liegen die drei Frauen - Emma Haussknecht, Mathilde Kottmann, Alida Silver -, die ihr Leben ganz dem Werk Schweitzers gewidmet hatten", schreibt Nils Ole Oermann in der Biographie, die er von Albert Schweitzer verfasst hatte. Die letzten Worte, die er über sein Spital gesagt hatte, soll er laut seinem Spital-Nachfolger Walter Munz in seinem gemütlichen Elsässerdialekt gesprochen haben: "Awer es hett doch e Charme, des Spitol, finde ihr nit oi?". Der Tod bedeutete für Albert Schweitzer Rückkehr des menschlichen Geistes in den unendlichen Geist, das endgültige Kommen zu Gott, sagt Professor Werner Zager von der Evangelischen Erwachsenenbildung Worms-Wonnegau.

Dorothee Sölle (1929 - 2003)

Der Grabstein von Dorothee Sölle.
Die evangelische, feministische Theologin und Pazifistin starb am 27. April 2003 im Alter von 73 Jahren am Sonntagmorgen in einem Krankenhaus in Göppingen an den Folgen eines Herzinfarkts. Noch am Vorabend hielt sie einen Vortrag. Ihr Grab ist auf dem Hamburger Friedhof Nienstedten. Die Grabinschrift lautet: "In Deinem Lichte sehen wir das Licht". Verheiratet war sie mit dem Theologen Fulbert Steffensky. Die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter würdigte bei der Trauerfeier in der Hamburger St. Katharinen-Kirche Sölles "prophetische und poetische Stimme". Eines ihrer Lebensthemen sei die biblische Verheißung eines "neuen Himmels und einer neuen Erde" gewesen. Sie habe versucht, "eine neue Sprache für das Sprechen mit Gott zu finden und alte Gottesbilder, zum Beispiel das eines Herrschers, zu demontieren".

Diesen Artikel haben wir am 21. November 2013 veröffentlicht.