Bischof Weber: Finanzierung von Prunk ist für Kirche ausgeschlossen

Bischof Weber: Finanzierung von Prunk ist für Kirche ausgeschlossen
Die Vorgänge im katholischen Bistum Limburg machen auch der evangelischen Kirche in Form von Austritten und undifferenzierter Kritik zu schaffen. Auf der Lutherischen Generalsynode stellten die Kirchenvertreter deshalb den anderen Umgang der Protestanten mit Geld heraus.

Vor dem Hintergrund der Affäre um den katholischen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat der evangelische Landesbischof Friedrich Weber betont, dass in der evangelischen Kirche das Finanzwesen demokratischer Mitwirkung unterworfen sei. Die Haushalte der Landeskirchen würden in Synoden entschieden und davor in Fachausschüssen beraten.

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"Eine Verfügungsgewalt einzelner über Millionenbeträge an Kontroll- und Aufsichtsgremien vorbei ist damit so gut wie ausgeschlossen", erklärte Weber am Samstag in Düsseldorf in seinem Catholica-Bericht vor den evangelischen Kirchenparlamenten. Dieses System von Beteiligung, Kontrolle und Aufsicht gelte auch für Bischöfe.

Kirche müsse ihr Finanzgebaren immer vor dem Hintergrund des biblischen Auftrages moralisch und theologisch rechtfertigen, sagte Bischof Weber. Die Kriterien Angemessenheit und Transparenz beim Umgang mit Geld seien für die öffentliche Glaubwürdigkeit der Kirche entscheidend. "Ausgeschlossen ist auf jeden Fall die Finanzierung von Prunk oder persönlichen Vorlieben", ergänzte Weber.

Weber: Die Protestanten sind mitgefangen, mitgehangen

Mit Blick auf die Vorgänge im Bistum Limburg und die damit verbundene generelle Kritik an den Kirchenfinanzen sagte der Landesbischof, der Protestantismus könne der "Schicksalsgemeinschaft" mit dem Katholizismus nicht entfliehen. Die Öffentlichkeit differenziere nur in der Anfangsphase eines Skandals zwischen evangelisch und katholisch. "Längst steht die Kirche am Pranger des Vorwurfs der Intransparenz ihrer Finanzen, längst sind Bischöfe 'Fürstenknechte', die ihr Gehalt vom Staat beziehen", sagte der Catholica-Beauftragte.

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Zuvor hatte bereits der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Gerhard Ulrich, einen "schweren Flurschaden" beklagt, den die Limburger Vorgänge für alle Kirchen angerichtet hätten. Der Vertrauensverlust sei immens. Diese Vertrauen könne nur zurückgewonnen werden, "wenn wir unsere Arbeit so gut machen, dass es die Menschen überzeugt", sagte Ulrich.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, bezeichnete es als schmerzlich, dass wegen der Finanzaffäre um den katholischen Limburger Bischof Tebartz-van Elst auch Menschen aus der evangelischen Kirche austreten. In der evangelischen Kirche sei die Finanzverwaltung transparent, alle Haushalte seien öffentlich einsehbar und würden von Gremien beschlossen, sagte er der "Rheinischen Post" (Samstagsausgabe).

Verbindungsmodell weiter entwickeln

Zum Abschluss ihrer Tagung beschloss die Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, das Verbindungsmodell mit der EKD und der Union Evangelischer Kirchen in einem gestuften Prozess weiter zu entwickeln. "Eine neue Qualität des Verbindungsmodells" sollte durch einen internen und einen gemeinschaftlichen Zielprozess angestrebt werden.

In einer Kundgebung hob die lutherische Generalsynode hervor, das die evangelischen Kirchen einende Verständnis des Evangeliums sei "an der reformatorischen Lehre von der Rechtfertigung allein aus Glauben ausgerichtet". In diesem Sinne stelle die Leuenberger Konkordie von 1973 die Grundlage für ein Verständnis der EKD als Kirche dar.

Das Verbindungsmodell regelt seit 2007 auf vertraglicher Grundlage die Zusammenarbeit und die Aufgabenverteilung zwischen den Kirchenbünden in den Bereichen Theologie, Liturgie, Ökumene, Recht und Verwaltung sowie die gemeinsame Nutzung der Infrastruktur des Kirchenamtes.