Prozess: Arzt stellte jahrelang bewusst falsche Diagnosen

Prozess: Arzt stellte jahrelang bewusst falsche Diagnosen
In den Niederlanden hat am Montag (4. November) der Strafprozess gegen einen Arzt begonnen, der jahrelang absichtlich falsche Diagnosen gestellt haben soll. Dem Neurologen Ernst J. wird vorgeworfen, Patienten an niederländischen und deutschen Krankenhäusern wegen Alzheimer, Demenz und Multipler Sklerose behandelt zu haben, obwohl sie die Krankheiten gar nicht hatten.

Der Arzt arbeitete zuerst in Enschede und später an Kliniken in der Nähe von Hannover, in Worms und bis zu seiner Entlassung im Januar 2013 in Heilbronn. Ein Anwalt der Opfer erklärte, es seien 90 Fälle bekannt, in denen der Neurologe ohne medizinische Grundlage Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose diagnostiziert habe.

In den Niederlanden wurden bisher 13 Fälle bekannt, bei denen Patienten offenbar grundlos operiert wurden. Sieben Patienten sind inzwischen gestorben. In Deutschland wurde eine Frau durch eine offenbar unnötige Operation gelähmt und starb kurze Zeit später. Ernst J. soll außerdem Patientenakten gefälscht haben, um bestimmte Medikamente verschreiben zu können.

In dem Strafverfahren muss sich der Arzt wegen der Fehldiagnosen, aber auch wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und Unterschlagung verantworten. Er soll 80.000 Euro Forschungsgelder aus einer Stiftungskasse veruntreut haben. Ihm drohen zwölf Jahre Gefängnis. Das Gericht in der Stadt Almelo an der niederländisch-deutschen Grenze will das Urteil am 11. Februar 2014 verkünden.

Arzt wurde wegen Medikamentensucht entlassen

Der 68-jährige Mediziner arbeitete zwischen 1978 und 2003 am Medisch Spectrum Twente, einem der größten Krankenhäuser der Niederlande. Er war wegen seiner Medikamentensucht entlassen worden, erst 2009 wurde der Fall öffentlich. Nach seiner Entlassung zog Ernst J. nach Deutschland und arbeitete in einer Klinik bei Hannover, in Worms und in Heilbronn.

Das Disziplinarverfahren gegen den Mediziner hat bereits am Freitag (1. November) begonnen. Im droht die Aberkennung des Doktortitels. Auch in Deutschland haben Angehörige angekündigt, den Niederländer auf Schadensersatz zu verklagen. Der Fall hat in den Niederlanden eine Debatte über den Informationsaustausch zwischen europäischen Ländern angefacht. Gesundheitsministerin Edith Schippers setzt sich für eine europäische "schwarze Liste" ein, auf der Ärzte geführt werden, gegen die Untersuchungen laufen.

Das angeklagte Arzt zeigt sich davon überzeugt, keine Fehler gemacht zu haben. Beim Auftakt des Disziplinarverfahrens erklärte er Medienberichten zufolge: "Ich würde wieder so handeln."

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