Katholische Bistümer legen Finanzen teilweise offen

Katholische Bistümer legen Finanzen teilweise offen
Angesichts der Debatte um die hohen Kosten beim Bau des Limburger Bischofssitzes haben einige deutsche Diözesen einen Teil ihrer Finanzen offengelegt. Damit wolle man auf die Verunsicherung vieler Katholiken angesichts der aktuellen Situation reagieren, hieß es.

Einen Blick in ihre Geldtöpfe gewährten die Erzdiözesen München-Freising und Hamburg sowie die Bistümer Essen und Speyer. Der Erzbischöfliche Stuhl in Hamburg verfüge über ein Vermögen von rund 35 Millionen Euro, sagte Kirchensprecher Manfred Nielen am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dem stünden Verbindlichkeiten in Gestalt von Kreditaufnahmen in Höhe von etwa 8,2 Millionen Euro gegenüber. Bei den Finanzen der Bischöflichen Stühle handelt es sich nicht um die allgemeinen Bistumshaushalte, die zum Großteil aus Kirchensteuern finanziert werden.

Nielen ergänzte, von den 35 Millionen Euro seien etwa 7,5 Millionen ungebunden. Der Rest liege in Beteiligungen an drei Krankenhäusern sowie in Rücklagen für insgesamt fünf weitere Einrichtungen. Dazu gehörten Kinder- und Jugendhäuser, Altenhilfeeinrichtungen und ein Studentenheim. Das erst 1995 gegründete Erzbistum Hamburg umfasst neben der Hansestadt auch Schleswig-Holstein und Mecklenburg. In der Erzdiözese leben knapp 400.000 Katholiken. Die Kirchensteuereinnahmen werden im Geschäftsbericht für 2012 auf 89,8 Millionen Euro beziffert.

Auch das Erzbistum München legte Zahlen offen: Die Bilanzsumme des Erzbischöflichen Stuhls habe zum 31. Dezember 2012 rund 27,6 Millionen Euro betragen. Zum Gesamtvermögen der Diözese könne er keine Angaben machen, die entsprechenden Zahlen würden derzeit ermittelt, teilte ein Sprecher mit.

Flachsbarth: "Kirche im Dorf lassen"

Die Kirchenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Flachsbarth, erklärte am Dienstag in Berlin, die Religionsgemeinschaften dürften gerade im Umgang mit ihrem eigenen Geld die normalen Standards nicht außer Acht lassen, die überall in der Gesellschaft gälten. "Nur sollte man buchstäblich die Kirche im Dorf lassen und im Zusammenhang mit den Vorgängen in Limburg nicht gleich sämtliche staatlichen Mittel für die Kirchen in Frage stellen."

Die Kirchen engagierten sich auf vielfältige Art und Weise mit Angeboten im sozialen Bereich, die für alle Menschen in Deutschland zugänglich sind, so Flachsbarth. "Das darf nicht aufs Spiel gesetzt werden", mahnte die CDU-Politikerin.

Speyerer Vermögen wird nicht angetastet

Das Bistum Speyer hatte erklärt, aktuell habe der Bischöfliche Stuhl ein Vermögen in Höhe von rund 46,5 Millionen Euro. Es handele sich um ein langfristig angelegtes Stammvermögen, das nicht angetastet werde. Die Bistümer Essen und Münster gaben das Vermögen ihrer Bischöflichen Stühle mit 2,2 beziehungsweise 2,37 Millionen Euro an.

Der Bischöfliche Stuhl in Speyer bestehe seit der Neuerrichtung des Bistums im Jahr 1817, teilte die Diözese weiter mit. Er sei eine selbstständige Körperschaft des öffentlichen Rechts. Lange vor Einführung der Kirchensteuer zu Beginn des 20. Jahrhunderts seien aus den Mitteln des Bischöflichen Stuhls die Ausgaben für bischöfliche Aufgaben und Seelsorge finanziert worden. Inzwischen würden nur die Erträge des Vermögens verwendet, heißt es weiter. Sie kämen pastoralen und caritativen Projekten im Bistum zugute.

Zögern in Osnabrück

Das Bistum Osnabrück kündigte an, das Vermögen seines Bischöflichen Stuhls offenzulegen. Dies solle baldmöglichst geschehen, sagte Bistumssprecher Hermann Haarmann der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch). Voraussetzung sei jedoch, dass die Zahlen und diversen Beteiligungen beispielsweise an zahlreichen Kliniken und sozialen Einrichtungen zunächst entsprechend aufbereitet würden. Auch müssten Bewertungsfragen etwa des Grundbesitzes geklärt werden.

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