TV-Tipp des Tages: "Mit einem Schlag" (BR)

iStockphoto

TV-Tipp des Tages: "Mit einem Schlag" (BR)
TV-Tipp des Tages: "Mit einem Schlag", 1. Oktober, 20.15 Uhr im Bayerischen Fernsehen
Mit einem Schlag verändert sich Marias Leben dramatisch. Eigentlich hatte sich fest vorgenommen, ihren Mann Jakob nach über 30 Jahren Ehe zu verlassen - doch sie kommt nicht dazu, denn Jakob erleidet einen Schlaganfall.

"Ich zeige dir den Weg in den Himmel", hatte er ihr einst versprochen. Gut dreißig Jahre später muss sich Maria eingestehen, dass die Aufbruchstimmung von damals in einem Leben von der Stange versickert ist: Jakob hat früh die Firma seines Vaters übernommen, Maria ihm all die Jahre über den Rücken frei gehalten. Mit dieser Selbstaufgabe aber soll nun endlich Schluss sein; heute Abend will sie es ihm sagen. Aber Jakob kommt ihr zuvor: Er bricht zusammen, ein Schlaganfall. Als er im Krankenhaus erwacht, ist seine Vergangenheit wie weggewischt. Und schlimmer noch: Sobald sein Gehirn zur Ruhe kommt, wird alles gelöscht, was er zuletzt über sich rausgefunden hat. Für Maria ist das fatal: Als Frau von Ehre will sie Jakob erst verlassen, wenn er das auch mitbekommt.

Verloren geglaubte Seiten

Ein Zeitungsbericht über eine junge Frau mit Kurzzeitamnesie habe ihn auf die Idee gebracht, sagt Autor Christian Jeltsch, aber natürlich gibt es auch prominente Kinovorbilder: In Christopher Nolans Thriller "Memento" sucht ein Mann nach dem Mörder seiner Frau; auch er verliert regelmäßig sein Kurzzeitgedächtnis. Noch größer sind die Parallelen zu "50 erste Dates": Hier verliebt sich ein Mann in eine Frau, die ihn am nächsten Tag nicht mehr erkennt, weshalb er sie immer wieder aufs Neue erobern muss. Maria will Jakob zwar loswerden, aber weil der Gatte für immer verloren geglaubte Seiten offenbart, fällt ihr das zunehmend schwerer: Jakob, der mit seiner Asphaltfirma früher landschaftliche Paradiese platt gemacht hat, zeigt plötzlich ökologisches Verständnis, entdeckt seine Tochter völlig neu und hegt für sein einstiges Ich eine herzliche Antipathie.

Getreu der tröstenden Einsicht, jede Tragödie berge komisches Potenzial, reduzieren Jeltsch und Regisseurin Vivian Naefe die negativen Folgen des Schlaganfalls vor allem auf ihre komischen Seiten. Das klappt tadellos, weil Peter Simonischek Jakobs Hilflosigkeit fabelhaft anrührend verkörpert und weil Gisela Schneeberger ihm eine kongeniale Partnerin ist; nur so funktionieren sein Wandel vom egozentrischen Kotzbrocken zum Sympathieträger und ihre emotionale Achterbahnfahrt. Natürlich ist es eigentlich gar nicht komisch, dass ein Mann nach jedem Erwachen mühsam aufs Neue lernen muss, wer er ist. Aber Simonischek und Schneeberger spielen das einfach wundervoll, wenn Jakob wieder mal die Augen aufschlägt, erstaunt um sich blickt und Maria ihm mit schwindender Geduld erklärt, wo er sich befinde und wer sie sei, wobei sie hin und wieder auch kleine Bosheiten einbaut.

Geschickt lässt Jeltsch die Geschichte in ein doppeltes Finale münden. Erster dramaturgischer Höhepunkt ist das Verlobungsfest von Tochter Janne (Katie Eyssen), in dessen Rahmen der beinahe bankrotte Jakob sowohl den Landrat wie auch den Bankchef von den alternativen Plänen für eine umstrittene Autobahn und damit seine Kreditwürdigkeit überzeugen muss. Bei der Gelegenheit will er die Firmenleitung seiner lange verschmähte Tochter übergeben; sie hat auch die neuen Pläne entworfen. Damit er nicht wieder alles vergisst, hat er in der Nacht nicht geschlafen und droht nun ausgerechnet vor der Ansprache einzunicken.

Derweil zeigt sich zudem, dass verdächtig viele weibliche Festgäste identische Halsketten tragen: Mitten in Marias neu entfachte Zuneigung platzt die Erkenntnis, dass Jakob nicht bloß ein Verhältnis mit seiner jungen Sekretärin, sondern auch mit Marias bester Freundin (Gundi Ellert) hatte; nun sucht sie doch das Weite und rettet sich in die Arme des verständnisvollen Arztes (Rüdiger Vogler), der ihren Mann behandelt.

Eine Vielzahl liebevoller Details und eine Inszenierung, in der nicht eine Einstellung überflüssig ist, runden die Dramödie zu einem großartigen, höchst kurzweiligen Film ab, dessen tragisches Potenzial immer wieder durch einen höchst sympathischen trockenen Humor aufgefangen wird.