Taliban-Verbündete bekennen sich zu Anschlag auf Kirche in Pakistan

Taliban-Verbündete bekennen sich zu Anschlag auf Kirche in Pakistan
Nach dem schwersten Anschlag auf Christen in der Geschichte Pakistans ist die Zahl der Toten auf mindestens 81 Menschen gestiegen. Dies berichteten pakistanische Medien am Montag unter Berufung auf Krankenhauspersonal in der Stadt Peshawar.

Vor dem Hospital kam es zu dramatischen Szenen. "Sie wollen uns nicht leben lassen, ich schwöre es, sie wollen uns nicht in diesem Land leben lassen", rief ein älterer Mann unter Tränen. Am Sonntag hatten sich zwei Selbstmordattentäter in einer Kirche während des Gottesdienstes in die Luft gesprengt.

Unter den Toten sind 34 Frauen und sieben Kinder. Um die 150 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Eine mit den radikal-islamische Taliban verbündete Terrorgruppe hat sich angeblich zu der Tat bekannt. Die bislang unbekannte Bewegung namens Junud ul-Hifsa erklärte, ihr Ziel sei es, Ausländer zu töten um damit die Drohnenangriffe der Amerikaner in Pakistan zu rächen.

Die Gruppe soll auch für die Ermordung von zehn ausländischen Bergsteigern am Nanga Parbat im Juni verantwortlich sein. In ganz Pakistan protestierten auch am Montag Christen für bessere Sicherheit. Christliche Schulen blieben geschlossen. Pakistans Präsident Mamnun Hussein, Premierminister Nawaz Sharif und andere Politiker verurteilten den Terror-Akt. Papst Franziskus erklärte, er bete für die Opfer. Die Tat sei ein Akt von Hass und Krieg.

Christen müssen sich täglich fürchten

Die zwei Selbstmordattentäter waren in die historische "All Saints Memorial"-Kirche eingedrungen und hatten sich im Abstand von Sekunden in die Luft gesprengt. In der Kirche befanden sich rund 700 Menschen. Rettungskräfte waren angesichts der großen Zahl der Opfer völlig überfordert. Die Polizei sperrte die Umgebung des Hospitals ab, aus Angst, es könnten weitere Anschläge auf wartende Angehörige vor der Klinik verübt werden.

Die Großstadt Peschawar, nahe der Grenze zu Afghanistan, wurde in den vergangenen Jahren von einer Welle von Gewalt erfasst. Terroranschläge gehören zum Alltag. Auch die Attentate auf religiöse Minderheiten - vor allem auf Schiiten - nahmen stark zu. Christen machen unter den 180 Millionen Pakistanern knapp zwei Prozent aus.

Die "All Saints' Memorial"-Kirche in der Altstadt von Peschawar ist über 120 Jahre alt und ist im Stil einer sarazenischen Moschee gebaut. Sie war ursprünglich anglikanisch, aber gehört heute zur ökumenischen Kirche Pakistans.

Christen in Pakistan müssen sich täglich vor Übergriffen fürchten. Oft reichen Gerüchte, dass ein Christ den Koran entehrt oder den Propheten beleidigt habe, um einen Mob-Angriff auf eine christliche Siedlung zu provozieren.

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