TV-Tipp des Tages: "Lilly Schönauer: Weiberhaushalt" (ARD)

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TV-Tipp des Tages: "Lilly Schönauer: Weiberhaushalt" (ARD)
TV-Tipp des Tages: "Lilly Schönauer: Weiberhaushalt", 20. September, 20.15 Uhr im Ersten
Der kleine Sohn geht in den Kindergarten, also möchte Eva wieder in ihrem Beruf als Innenarchitektin arbeiten; sie bewirbt sich um die Einrichtung eines Restaurants. Ehemann Philip hofft derweil auf die Leitung der Hamburger Filiale seines Architekturbüros.

Begabte junge Innenarchitektin will wieder auf eigenen Beinen stehen, doch der egozentrische Gatte hat andere Pläne: Die Degeto arbeitet sich auch in diesem Film am Weltbild der Fünfzigerjahre ab. Immerhin sind die Hauptdarstellerinnen sehenswert. Und beinahe kommt es sogar zu einer lesbischen Beziehung. Allerdings merkt man das als Zuschauer viel früher als die Protagonistinnen, weshalb die "Überraschung" zwangsläufig etwas verpufft. Immerhin druckst die Inszenierung (Karola Hattop) diesmal nicht rum, und da die entsprechenden Annäherungsversuche keineswegs anrüchig, sondern durchaus geschmackvoll und ästhetisch ansprechend aufgenommen werden (Kamera auch hier: Gero Lasnig), wirken sie sogar dezent erotisch.

Umzug auf das Land

Die Handlung ist hingegen so vorhersehbar wie viele andere Geschichten dieser Art: Der kleine Sohn geht in den Kindergarten, also möchte Eva (Mira Bartuschek) wieder in ihrem Beruf als Innenarchitektin arbeiten; sie bewirbt sich um die Einrichtung eines Restaurants. Ehemann Philip (Matthias Schloo) hofft derweil auf die Leitung der Hamburger Filiale seines Architekturbüros. Die Familie lebt in Graz; das ist ein bisschen weit, um zu pendeln. Beim ersten Termin mit dem Restaurantbesitzer (Hary Prinz) trifft Eva eine Freundin von früher: Lucy (Anna Rot) hat mittlerweile die Schreinerwerkstatt ihres Vaters übernommen. Die beiden Frauen merken rasch, dass sie sich beruflich perfekt ergänzen. Kurzerhand zieht Eva zur Verblüffung des Gatten aufs Land, und weil ihr Vater (August Schmölzer) die falschen Schlüsse gezogen hat, fürchtet Philip, seine Frau sei zu allem Überfluss auch noch lesbisch geworden.

"Weiberhaushalt" hat zwar dramatisches Potenzial (Buch: Anna Morgenrot), doch Karola Hattop verpackt es so geschickt, dass die Erwartungen der auf Eskapismus eingestellten Zielgruppe nicht enttäuscht werden. Die Solidarität mit Eva liegt ohnehin auf der Hand, die Frage ist bloß: Wird sie den Gatten verlassen, oder lässt sich die Ehe noch retten? Dass sie nicht dem Werben von Lucy nachgeben wird, ist dagegen von vornherein klar, das wäre für einen Freitagsfilm geradezu revolutionär.

Dabei sind die beiden Frau ein nicht nur hübsches, sondern auch gut miteinander harmonierendes Paar; die Freundschaftsszenen sind ausgesprochen glaubwürdig. Matthias Schloo kann da als trauriger Dritter nicht ganz mithalten. Dass Philip recht schnöselig rüberkommt, ist natürlich Teil der Rolle. Irgendwas muss Eva aber ja mal an ihm gefunden haben, und das macht Schloo nicht kenntlich, dafür agiert er einfach zu farb- und kantenlos. August Schmölzer ist da naturgemäß aus ganz anderem Holz geschnitzt, auch wenn seine Rolle als Großvater wider Willen ein wandelndes Klischee ist: Bruno widmet sein Dasein als Rentner lieber der Verbesserung seines Handicaps als seinem Enkel, und seine Freundin sieht aus, als sei sie noch minderjährig. Völlig unglaubwürdig, aber wenigstens nett eingefädelt ist seine Liaison mit Evas Nachbarin (Fanny Stavjanik): Dass sich die filigrane Akademikerin auf den grobschlächtigen Bruno einlässt und bereits nach der ersten gemeinsamen Nacht seinen Antrag annimmt, ist ebenso schwer vorstellbar wie die Tatsache, dass die Dame ein Notstromaggregat im Keller hat; damit hilft sie den beiden jungen Frauen aus der Patsche, als die überforderte Elektrik in Lucys maroder Werkstatt den Geist aufgibt.

Sieht man über die teilweise ziemlich verstaubten Klischees gerade bei den Geschlechterrollen hinweg und stört sich auch nicht daran, dass Lasnigs Bildgestaltung gleichfalls mit den üblichen Freitagsfilm-Stereotypen arbeitet (nur ein Beispiel: Beim Szenenwechsel schwenkt die Kamera vom Himmel auf die Protagonisten), ist "Weiberhaushalt" durchaus amüsant; und auf einen Dialogspruch wie "Glück ist was für Pilze" muss man auch erst mal kommen.