Kritik an eingeschränkter Pressefreiheit bei Dalai-Lama-Besuch

Dalai Lama

Foto: dpa/Paul Miller

Deutschland spricht 2019
Kritik an eingeschränkter Pressefreiheit bei Dalai-Lama-Besuch
Der Dalai Lama kommt nach Niedersachsen, aber die Nachrichtenagenturen werden nicht berichten. Die Veranstalter haben die Pressefreiheit während des Besuchs soweit eingeschränkt, dass unter anderem dpa, epd und der NDR die Berichterstattung ablehnen.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, hat die Weigerung von Journalisten begrüßt, über den Besuch des Dalai Lama in Niedersachsen zu berichten.

Die Veranstalter, die die Auftritte des Oberhauptes des tibetischen Buddhismus organisiert haben, verlangen unter anderem, dass jedes Foto und jedes Video von ihnen freigegeben werden muss. "Dies ist ein klarer Verstoß gegen die Freiheit der Berichterstattung", sagte Konken am Dienstag in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Dalai Lama sollte am Nachmittag auf dem Flughafen in Hannover-Langenhagen erwartet.

"Journalisten haben die Aufgabe, kritisch und unabhängig, egal über wen oder was, zu berichten - auch über den Dalai Lama", betonte der Vorsitzende der nach eigenen Angaben europaweit größten Journalistenvereinigung. Darum sei es richtig, sich nicht auf die geforderten Bedingungen einzulassen. Medienvertreter hatten die strengen Akkreditierungsvorgaben kritisiert. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa), der Evangelische Pressedienst (epd), der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und weitere Journalisten lehnten eine Berichterstattung unter diesen Bedingungen ab.

Veranstalter betont "private Natur" des Besuchs

Auf einer Internetseite rechtfertigten die Veranstalter ihre Bedingungen mit der "privaten Natur" des Besuchs. Es solle lediglich "vermieden werden, potenzielle und außergewöhnliche Missgeschicke 'paparazzimäßig' in die Welt verbreitet zu wissen", heißt es: "Dies ist eine Form der Höflichkeit, der Achtung und des Respektes und kann nicht als 'Einschränkung der Pressefreiheit' gedeutet werden." Wer dies nicht akzeptieren wolle, "darf gerne Abstand nehmen von den Veranstaltungen".

Der in Hannover lebende Exil-Tibeter Geshe Gendun Yonten kennt Medienberichten zufolge den Dalai Lama seit Jahren und hat ihn eingeladen - mit ungeahnten finanziellen Folgen: Die Reisekosten, Logistik, Programmplanung, die Technik für eine Großveranstaltung und vor allem die Sicherheitsauflagen sind teuer. Einige Tage vor Beginn der Veranstaltungen, unter anderem in der "Swiss Life Hall Hannover", war nur etwa die Hälfte der Karten verkauft.

Schwerpunkte des viertägigen Besuchs sind mehrere Treffen mit Schülern in Hannover und Steinhude. Dabei will der Dalai Lama nach Angaben der Veranstalter über die dringenden Probleme der Welt sprechen und über Hilfsprojekte informieren. An diesem Mittwoch will der 78-Jährige in Hannover mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) frühstücken.

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