Sommerstreit um Winterbeleuchtung und Weihnachtsmotive

Weihnachtlich: der Stern von Bethlehem

Foto: epd-bild/Hanno Gutmann

Der Stern über Bethlehem - darf er zur Weihnachtszeit noch in der Solinger Fußgängerzone erstrahlen?

Sommerstreit um Winterbeleuchtung und Weihnachtsmotive
Peinlich, falsche Toleranz, Nestbeschmutzung: Empört reagieren Solinger Bürger auf Berichte, die Weihnachtsbeleuchtung solle keine christlichen Symbole mehr enthalten. Offenbar ein Missverständnis. Doch die Wogen glätten sich nur langsam.

Die Nachricht schlug inmitten der Sommerferien ein wie eine Bombe: Aus Rücksicht auf die multikulturelle Gesellschaft solle die Weihnachtsbeleuchtung in der Solinger City durch "neutrale" Lichter ohne christliche Motive ersetzt werden, zitierten Lokalmedien vor einigen Tagen einen Innenstadtplaner. Seither hagelt es im Internet, auf Facebook und in Leserbriefen erboste Kommentare. Die Sache sei ein Missverständnis, beteuert Stadtplaner Christoph Krafczyk, dessen Äußerungen die Debatte auslösten.

Der Geograf arbeitet seit gut einem Jahr mit einem kleinen Team daran, die Solinger Innenstadt attraktiver zu machen - auch mit der Idee eines "Winterlichts", die von Einzelhändlern und Gastronomen unterstützt wird. Bäume und Tore zur Innenstadt sollen dabei von Oktober bis Februar erleuchtet werden. Ein Lichtmotiv könnte dabei die Stadtsilhouette sein.

"Entchristlichung" des Straßenbildes

In der Advents- und Weihnachtszeit würden dann Symbole wie der Stern von Bethlehem dazugeschaltet, erläutert Krafczyk das Konzept, das aber noch nicht fertig abgestimmt sei. Weihnachtliche Motive würden also keineswegs abgeschafft, lediglich die City-Beleuchtung in der übrigen dunklen Jahreszeit solle "neutral" sein, betont der City-Manager vom "Innenstadtbüro", das Solingen bei der Stadtentwicklung unterstützt und dafür Gelder einwirbt.

Der Werbe- und Interessenring Innenstadt hält die über zwei Jahrzehnte alte Weihnachtsbeleuchtung für dringend erneuerungsbedürftig - optisch, aber auch technisch, heißt es etwa mit Blick auf den Stromverbrauch. Mit dem Austausch der alten Elemente soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Das Geld soll überwiegend durch Sponsoren aufgebracht werden, durch die Neuanschaffung können aber auch bis zu 10.000 Euro aus einem Fonds des Landes Nordrhein-Westfalen eingesetzt werden.

Die Entrüstung über eine befürchtete "Entchristlichung" des Straßenbildes im Winter ist gleichwohl groß. Es sei "nicht das erste Mal, dass man versucht, Weihnachten zu entchristianisieren, eine Jahresendfeier mit ausschließlich kommerziellem Hintergrund", schrieb ein besorgter Bürger ans "Solinger Tageblatt". Gemessen an der Zahl der Leserbriefe und Online-Kommentare handle es sich um ein echtes "Aufregerthema", sagt Redakteur Thomas Kraft.

Weihnachtliche Motive in der Adventszeit

Manche flüchten sich dabei in beißenden Hohn und Spott: "Am besten Weihnachten abschaffen, alle Kirchen abreißen", lautet eine sarkastische Stimme. Er könne seine Einkäufe auch "zum multikultur-feindlichen Weihnachtsfest zukünftig in intoleranten anderen Städten tätigen", schreibt jemand anderes, und ein dritter fragt: "Das ist jetzt kein Aprilscherz?"

Krafczyk erstaunen die leidenschaftlichen Reaktionen nicht, schließlich gehe es um ein hoch emotionales und sensibles Thema. Eine ähnlich gelagerte Diskussion habe es vor Jahren bereits in Krefeld gegeben. Dort wurde für die Innenstadt-Beleuchtung ein Weg beschritten, wie er sich jetzt auch für Solingen abzeichnet: Beibehaltung weihnachtlicher Motive in der Adventszeit und Ausbau mit anderen Lichtelementen zur Beleuchtung der City in der übrigen Winterzeit.

Eher gelassen reagiert denn auch die Solinger Politik. CDU-Chef Arne Moritz hätte erst dann ein Problem, wenn Weihnachten nicht mehr als christliches Fest zu erkennen wäre oder wenn in Kitas mit vielen Migrantenkindern überlegt würde, nicht mehr vom Weihnachtsfest zu sprechen. Sein SPD-Kollege Josef Neumann will sich im Sommermonat August gar nicht erst mit Weihnachtsbeleuchtung beschäftigen. Am Ende könnte sich tatsächlich zeigen, dass die meiste Aufregung ein Sturm im Wasserglas war.