Umsätze deutscher Zeitungen gehen zurück

Wenn Journalismus stiften geht
Umsätze deutscher Zeitungen gehen zurück
Immer mehr Nutzer sind aber bereit, für Online-Inhalte zu zahlen
Die Auflage sinkt, die Werbeerlöse brechen ein: Die Verleger kämpfen gegen das Zeitungssterben an. Große Hoffnung setzt die Branche in das digitale Geschäft.

Die Umsätze der deutschen Zeitungen sind im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Die Gesamterlöse der Zeitungen sanken im Vergleich zum Vorjahr um 3,3 Prozent auf 8,23 Milliarden Euro, wie der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) am Dienstag in Berlin mitteilte. Die Einnahmen aus Anzeigen und Beilagen gingen demnach um neun Prozent auf 3,43 Milliarden Euro zurück. Die Vertriebsumsätze dagegen seien um 1,3 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro, erklärte der BDVZ weiter. Gute Geschäfte ließen sich künftig nur im Internet machen.

Gut 22 Millionen Zeitungsexemplare

Die Auflagen der Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen sanken nach Angaben des Verbands im ersten Quartal 2013 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erneut. Insgesamt ging die Auflage um 3,92 Prozent auf 22,23 Millionen Zeitungsexemplare zurück. Am meisten Auflage verloren die Straßenverkaufszeitungen mit einem Minus von 8,49 Prozent, gefolgt von den überregionalen Zeitungen (minus 7,44 Prozent) und den Sonntagszeitungen (minus 4,89 Prozent).

Vor allem dank der guten wirtschaftlichen Lage der "Zeit" blieb die Auflage der Wochenzeitungen mit einem durchschnittlichen Minus von 0,57 Prozent relativ stabil. Positiv entwickelten sich die E-Paper-Ausgaben. Sie steigerten ihre Auflage um mehr als 90 Prozent auf 340.000 Exemplare.

Vertrauenswürdig und zuverlässig

Trotz sinkender Auflagenzahlen der Printprodukte geht der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Dietmar Wolff, nicht von einem anhaltenden Zeitungssterben aus. "Die Menschen vertrauen der Marke Zeitung", sagte Wolff. Angesichts der Flut der Informationen im Internet, seien Zeitungen vertrauenswürdig und zuverlässig. Es gehe vielen Lesern nicht darum, möglichst schnell informiert zu werden, sondern um die Qualität der Nachricht.

Wegen Umsatzeinbrüchen im Gesamtwerbemarkt setzen die Verleger große Hoffnung in Online-Angebote. Angaben des Verbands zufolge erreichen Zeitungswebseiten regelmäßig mehr als 29 Millionen Nutzer. "Das digitale Geschäft ist das einzige, mit dem wir Geld machen", sagte der Leiter Kommunikation und Multimedia, Hans-Joachim Fuhrmann. Bei den Nutzern gäbe es zunehmend die Bereitschaft, für Online-Angebote zu bezahlen. Journalismus im Netz habe einen Wert, sagte Fuhrmann.

Apps werden gut angenommen

Laut Verlegerverband gibt es bisher mehr als 40 Zeitungstitel, die die Bezahlung im Netz eingeführt haben. Bis Ende 2013 rechnet der Verband mit weiteren 20 Titeln. Ähnlich positiv bewertete Fuhrmann die Akzeptanz der Apps für Smartphones und Tablets. Eigenen Angaben zufolge gibt es bisher 450 Apps von Zeitungsverlagen. Knapp 290 davon sind kostenpflichtig.

Zudem äußerte sich Hauptgeschäftsführer Wolff positiv über medienpolitische Entscheidungen des vergangenen Jahres. Die Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes bezeichnete Wolff als "Meilenstein". Das Gesetz ermögliche es den Verlagen, selbst zu entscheiden, unter welchen Bedingungen ihre Inhalte von Suchmaschinen und Aggregatoren verwertet werden könnten. Mit Blick auf die Anwendung des Gesetzes brachte Wolff den Vorschlag ein, eine Verwertungsgesellschaft zu gründen, um die Erlöse zu verwalten. Das Leistungsschutzrecht tritt am 1. August in Kraft.

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