Weiter Forderungen nach unabhängiger Missbrauchs-Kommission

Weiter Forderungen nach unabhängiger Missbrauchs-Kommission
Der Missbrauchsbeauftragte Johannes-Wilhelm Rörig hat seine Forderung nach einer unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung der Missbrauchsskandale bekräftigt. Rörig sagte auf einem Hearing mit Experten und Betroffenen am Dienstag in Berlin, eine solche Kommission solle zu Beginn der kommenden Legislaturperiode ihre Arbeit aufnehmen. Deutschland stehe mit der unabhängigen Aufarbeitung erst am Anfang. Sie gehöre ganz oben auf die politische Agenda.

Zwar sei vereinzelt damit begonnen worden, Ausmaß und Folgen des sexuellen Kindesmissbrauchs systematisch zu untersuchen, auch im kirchlichen Bereich, sagte der unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung. Doch müssten die Erkenntnisse von unabhängiger Seite aufgearbeitet und zusammengeführt werden. Auch der Missbrauch im familiären Umfeld müsse besser erforscht werden.

Bundespräsident Joachim Gauck ermutigte Institutionen, Betroffene und Experten, bisherige Anstrengungen zur Aufarbeitung fortzusetzen. Er erklärte in einem Grußwort, das den Teilnehmern der Veranstaltung überbracht wurde, wer aufkläre, müsse gewürdigt und unterstützt werden. Es gehe darum, das verhängnisvolle Schweigen zu brechen und das Verbrechen des sexuellen Kindesmissbrauchs zu bekämpfen. Die Aufarbeitung dürfe nicht ins Stocken geraten, erklärte Gauck: "Das wäre ein neues Unrecht an den Opfern".

Der Jesuitenpater und frühere Rektor des Canisius-Kollegs, Klaus Mertes, setzte sich ebenfalls für eine unabhängige Aufarbeitung ein. Er sagte, Aufklärung gehe nur von außen, "die Blackbox muss sich öffnen". Eine unabhängige Kommission könnte auch Institutionen wie der katholischen Kirche eine große Hilfe sein. Vertreter mehrer Initiativen betonten, jeder Betroffene habe das Recht auf eine unabhängige Aufklärung und Aufarbeitung.

In Deutschland waren vor drei Jahren zunächst die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche bekanntgeworden, in der Folge auch Fälle in der evangelischen Kirche und in anderen Institutionen wie etwa der reformpädagogischen Odenwaldschule. Die Bundesregierung berief die frühere Bundesfamilienministerin Christine Bergmann zur Missbrauchsbeauftragten und richtete einen Runden Tisch ein. Die katholische Kirche gab eigene Untersuchungen in Auftrag und plant eine große Studie. Deren Start war vorläufig an Streit mit dem beauftragten Kriminologen Christian Pfeiffer gescheitert. Die evangelische Kirche hat eine Kommission zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in den eigenen Einrichtungen und Pfarrgemeinden eingesetzt.

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