Hoffnungsvoller Neubeginn im Exil: Anne Frank und ihre Familie

Hoffnungsvoller Neubeginn im Exil: Anne Frank und ihre Familie
Fotos mit lachenden Kindern am Strand, eine glückliche Familie vor einem Hochhaus und Mädchen in Schuluniform. Wer die Fotos betrachtet, kann kaum glauben, dass es sich bei den Mädchen um Anne und Margot Frank handelt. Unbeschwert sehen die berühmte Tagebuch-Autorin, ihre Schwester und ihre Eltern Edith und Otto darauf aus. Die historischen Fotos sind ab Dienstag in der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main zu sehen. Die Sonderausstellung, die am Montagabend eröffnet wird, heißt "Die Familie Frank in Amsterdam - Bilder aus dem Exil".

Interviews auf Video und schriftliche Kommentare des Vaters sowie Auszüge aus Anne Franks Tagebuch geben einen Einblick in das Leben der jüdischen Familie nach ihrer Flucht nach Amsterdam nach der Machtübernahme Hitlers. Mit der Sonderausstellung wolle die Bildungsstätte einen neuen Blick auf Anne Frank werfen und die anderen Familienmitglieder in den Vordergrund stellen, sagt Direktor Meron Mendel. Die Ausstellung sei gemeinsam mit dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam entwickelt worden.

Die Familie aus Frankfurt hatte gehofft, mit ihrer Flucht der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entkommen. Doch mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Niederlande 1940 begann auch dort die Judenverfolgung. 1942 musste die Familie schließlich untertauchen. Zwei Jahre lang lebte sie in einem Versteck im Hinterhaus von Otto Franks Firma, bis sie verraten wurde. In dieser Zeit schrieb Anne Frank ihr Tagebuch. 1945 kamen sie und ihre Schwester Margot in Bergen-Belsen ums Leben, ihre Mutter starb in Auschwitz-Birkenau. Otto Frank überlebte als einziges Familienmitglied den Holocaust.

Auf den Bildern aus den mehr als acht Jahren sind keine Anzeichen der Verfolgung zu sehen. Otto Frank schrieb später: "Das Leben in Holland war nach den Erfahrungen in Nazi-Deutschland wieder unser eigenes Leben. Wir konnten damals einen Neubeginn wagen und uns frei fühlen".

Ein Foto zeigt das Mehrfamilienhaus in Merwedeplein in Amsterdam, das für die Familie ein neues Zuhause wurde. Die beiden Mädchen waren gut in der Schule und hatten Freunde gefunden. Auf einem Foto ist Anne gemeinsam mit einer ihrer besten Freundinnen, Susanne Ledermann, abgebildet.

Vater Otto war der Fotograf

Über Annes Mutter Edith ist nicht viel bekannt. Bilder zwischen 1915 und 1922 zeigen sie als lebensfroh und sorglos. Aus den schriftlichen Kommentaren und Videointerviews geht hervor, dass ihr der Umzug nach Amsterdam schwer fiel. Sie vermisste ihre Verwandten und Freunde in Deutschland. Auch die Beziehung zu Anne scheint nicht immer einfach gewesen zu sein.

Der Vater Otto Frank war Hobbyfotograf. Von ihm stammen alle Bilder. "Deswegen ist er selbst leider nur auf wenigen Fotos zu sehen", bedauert Mendel. Ein großes Bild zeigt ihn 1960 erneut im Hinterhaus, das der Familie als Versteck diente. Die Anspannung, dorthin zurückzukehren, ist ihm deutlich anzusehen.

Margot Frank ist auf vielen Bildern gemeinsam mit Anne zu sehen, zum Beispiel am Strand. Ihr Zeugnis ist auch ausgestellt. In einem Ausschnitt aus Annes Tagebuch heißt es: "An Margot ist nicht viel zu erziehen, sie ist von Natur aus die Gut-, Lieb- und Klugheit selbst." Sie starb im Alter von 19 Jahren, nur wenige Wochen vor der Befreiung, Anne im Alter von 15 Jahren.

Die Sonderausstellung ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr zu sehen. Gleichzeitig kann auch die Dauerausstellung "Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland." besichtigt werden. Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen frei. Im Begleitprogramm liest am 12. Juni um 19 Uhr Marcel Prins aus seinem kürzlich erschienenen Buch "Versteckt wie Anne Frank - Überlebensgeschichten jüdischer Kinder". Am 31. August veranstaltet die Begegnungsstätte ab 15 Uhr ein Sommerfest mit der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano und der Kölner Hiphop-Band "Microphone Mafia".

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