Geht doch! Frauen in der katholischen Kirche

Pastoralreferentin probiert liturgisches Gewand an.

Foto: KNA-Bild/Harald Oppitz

Eine Pastoralreferentin probiert auf der Messe "Ecclesia" ein liturgisches Gewand an, das für den Laiendienst im Altarraum gedacht ist. Der Dienst von Frauen soll in der katholischen kirche gefördert werden. Frauen dürfen in der katholischen Kirche einige haupt- und ehrenamtliche Tätigkeiten ausführen - nur Priesterinnen gibt es nicht.

Geht doch! Frauen in der katholischen Kirche
In der katholischen Kirche haben Frauen keinen Zugang zum Priesteramt - aber zu vielen anderen Berufen und Ehrenämtern in der Kirche. Gabriele Zinkl gibt in ihrem Gastbeitrag einen Überblick über die Karrieremöglichkeiten und würdigt den Beschluss der deutschen Bischöfe, den Dienst von Frauen in der Kirche stärker anzuerkennen.

"Und sie bewegt sich doch …!" Dieser Gedanke im Anklang an Galileo Galilei war meine spontane Reaktion auf die Ergebnisse des Studientags "Das Zusammenwirken von Männern und Frauen im Leben und Dienst der Kirche" der Deutschen Bischöfe im Rahmen ihrer Frühjahrs-Vollversammlung  in Trier (18.- 21. Februar 2013).

Als ehrenamtlich Engagierte in der katholischen Kirche und als hauptberuflich Tätige im kirchlichen Dienst einer deutschen Diözese hat es mich gefreut, dass dieser lang geplante Studientag der Deutschen Bischofskonferenz  endlich in die Tat umgesetzt wurde. Die über 60 Diözesan- und Weihbischöfe aus den 27 deutschen Diözesen stellten sich damit einem Thema, das in den katholischen Kirchengemeinden, Gemeinschaften, Orden, Gruppen, Vereinen und Verbänden gerade in den letzten Jahren großen Handlungsbedarf und Gesprächs- wie Konfliktstoff bietet: Wie kann eine partnerschaftliche Kirche im Dienst Jesu Christi im Hier und Heute glaubwürdig realisiert werden?

Unter den 20 geladenen Expertinnen und Experten des Studientags waren 16 (!) Frauen, die mit ihren Begabungen und Kompetenzen die starke weibliche Seite des kirchlichen Engagements widerspiegeln: von der ehrenamtlich in der Pfarrgemeinde und im Frauenverband Engagierten über die Theologie-Doktorandin, Gemeinde- oder Pastoralreferentin, Ordensfrau, Theologieprofessorin bis zur Ordinariatsdirektorin einer Diözese.

Hoffentlich gibt es bald mehr qualifizierte Frauen

Für die Tatsache, dass es heute Frauen wie diese im (hauptamtlichen) Dienst der katholischen Kirche gibt, war und ist – wie in so vielen Dingen – das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) wegweisend. Die Bischöfe des Konzils stellten die Weichen für die Aufgaben, Tätigkeiten, Dienste und Berufe, in denen heute Frauen und Männer – auch ohne Priesterweihe – in der Verkündigung, Liturgie und Caritas der Kirche mitwirken oder Leitungspositionen einnehmen.

Was sich Frauen wie meine Mutter vielleicht noch in ihren kühnsten Träumen ausmalten, ist in meiner Generation Realität geworden: In vielen Pfarreien gibt es Ministrantinnen und Frauen, die zu Kantorinnen, Lektorinnen oder Kommunionhelferinnen beauftragt werden. In manchen Diözesen übernehmen Pastoralreferentinnen den Beerdigungsdienst und stehen, wie auch ehrenamtlich tätige Frauen, Wortgottes-Feiern vor. Frauen arbeiten nicht nur ehrenamtlich im Pfarrgemeinderat oder in der Kirchenverwaltung mit, sie haben erfreulicherweise auch immer öfter die Funktion der Vorsitzenden dieser Gremien inne. Außerdem übernehmen sie vielfach diakonische Aufgaben, wie zum Beispiel die Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung, die Jugend-und Seniorenarbeit, Krankenbesuchsdienste oder Trauerbegleitung.

Frauen im Dienst der Kirche erweisen sich als ausgezeichnete Pädagoginnen, Religionslehrerinnen, Gemeinde- oder Pastoralreferentinnen, Organistinnen und Kirchenmusikerinnen, Hauswirtschafterinnen, Köchinnen, Altenpflegerinnen, Krankenschwestern oder Ärztinnen, Theologinnen, Juristinnen oder Verwaltungs- und Finanzexpertinnen. Mittlerweile, nach jahrelangem Einfordern und Beharren und aufgrund mutiger Schritte einzelner Priester und Bischöfe ist es Frauen heute sogar in einzelnen Diözesen möglich, eine Leitungsposition einzunehmen, zum Beispiel  als Akademiedirektorin, Richterin am kirchlichen Ehe- oder Arbeitsgericht, Justiziarin, Ausbildungsleiterin, Personaldezernentin, Caritasdirektorin oder Ordinariatsrätin in leitender Funktion. Noch sind es wenige und es wird hoffentlich bald mehr qualifizierte Frauen geben, die in der Kirche Führungspositionen wahrnehmen und als fachlich kompetente und gleichberechtigte Partnerinnen anerkannt sind.

Dank an die Bischöfe

Zustimmend habe ich die abschließenden Stellungnahmen der Bischöfe zu ihrem Studientag gelesen: "Frauen in kirchlichen Führungspositionen stellen für uns einen Gewinn dar", heißt da es da unter anderem, und auch: "Die Bischöfe anerkennen, dass diesen Frauen eine wichtige Vorbildfunktion in der Kirche zukommt. Auf diese Weise können Frauen dazu beitragen, das Verhältnis von Priestern und Laien im Sinn einer gegenseitigen Anerkennung der unterschiedlichen Berufungen, Charismen und Dienste in der Kirche weiterzuentwickeln." Allein diese beiden Sätze werte ich als starke Botschaften an alle Frauen, die sich mit ihrer jeweiligen Berufung und Sendung für eine gerechte Kirche und Welt im Geist Christi einsetzen. Für diese Botschaften sage ich den Bischöfen ausdrücklich Dank!

Bei aller Freude über die Aussagen der Bischöfe zur Situation von Frauen in der Kirche, zur Bereitschaft, den Anteil von Frauen in kirchlichen Führungspositionen zu erhöhen und ihnen mehr Mitsprache einzuräumen, darf aber nicht übersehen werden, dass sich immer weniger  junge Frauen für ein Theologiestudium oder einen hauptberuflichen kirchlichen Dienst entscheiden. Viele wenden sich enttäuscht von der Kirche ab, weil Strukturen starr und wichtiger sind als Inhalte und Ziele, weil sie sich mit ihren Begabungen nicht ernstgenommen fühlen oder weil Männer, Priester wie Laien, scheinbar besser zur Wahrnehmung bestimmter Aufgaben geeignet sind. Hier gibt es noch eine Menge Klärungsbedarf und Veränderungspotenzial, zu dem Frauen viel beitragen können.

Ich wünsche mir, dass sich der Anteil hauptberuflich tätiger Frauen in verschiedenen Feldern und Aufgabenbereichen der Kirche, besonders in verantwortlichen Positionen, deutlich erhöht. Genauso wünsche ich mir, dass engagierte Frauen und Männer, seien sie ehren- oder hauptamtlich tätig, ihr konsequentes Eintreten für ein partnerschaftliches Modell von Kirche, in dem Frauen und Männer in gleicher Weise diakonisch tätig sind, fortsetzen und den Dialog mit den Bischöfen suchen. Es wäre ein deutliches Zeichen von tatsächlicher Bewegung in der katholischen Kirche, wenn die  Bischöfe auf die wohlformulierten Worte ihrer Studientagung nun Taten folgen lassen, wenn sie mutig und vertrauensvoll die nächsten Schritte tun – mit und für Frauen. Dann bleibt die Kirche in Bewegung, dann ist das Volk Gottes auf dem Weg. Und alle können sicher sein: EINER wird mit uns gehen.