"Himmelsthür"-Direktor: Gerüchte um Prostitution schaden Behinderten - Einrichtung behält sich rechtliche Schritte vor

"Himmelsthür"-Direktor: Gerüchte um Prostitution schaden Behinderten - Einrichtung behält sich rechtliche Schritte vor
Gerüchte um angebliche Fälle von Prostitution Behinderter schaden nach Ansicht der Diakonie Himmelsthür den Menschen mit Behinderungen. "Wir befürchten, dass durch solche reißerischen Behauptungen erst recht der Nährboden dafür bereitet wird, dass Menschen mit Behinderungen Opfer sexueller Gewalt werden", sagte Direktor Ulrich Stoebe am Dienstag in Hildesheim.

Dies sei leider bislang schon überproportional häufig der Fall. Die Diakonie Himmelsthür ist mit rund 2.000 geistig behinderten Bewohnern an landesweit 20 Standorten die größte Einrichtung für Menschen mit Behinderungen in Niedersachsen.

Himmelsthür behalte sich rechtliche Schritte wegen übler Nachrede vor, sagte Stoebe. Das Problem sei jedoch nicht juristisch zu lösen: "Es ist nicht unser Interesse, Rechtshändel zu machen." Der Direktor sprach von "unbewiesenen und unbestätigten Gerüchten, Mutmaßungen und Unterstellungen". Dies hätten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben. Aus Gerüchten sei ein "Rotlichtskandal bei Menschen mit Behinderungen" konstruiert worden.

Zeitungen hatten unter Berufung auf den Vater einer Bewohnerin und andere Zeugen berichtet, Behinderte aus der Diakonie Himmelsthür besserten ihr Taschengeld mit Prostitution auf. Bewohner der Einrichtung sollen von "schwarzen Zuhälterlimousinen" abgeholt worden sein. Die Staatsanwaltschaft hatte erklärt, sie bezweifele die Angaben der Zeugen.

Niedersachsens Behindertenbeauftragter Karl Finke sagte, die Debatte um die Prostitution belaste den Kurs der Öffnung, den die Diakonie Himmelsthür und andere Einrichtungen eingeschlagen hätten. Die große Mehrzahl der behinderten Menschen wolle selbstbestimmt leben. Diese Entwicklung dürfe niemand zurückdrehen. "Auch in geschlossenen Einrichtungen gibt es Übergriffe", betonte Finke.

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