Man müsste mal die Welt retten

Umweltschutz

Foto: photocase/SickRick

Man müsste mal die Welt retten
Der Wunsch, sein Leben umweltfreundlicher und sozialverträglicher zu gestalten, beschäftigt zum Jahreswechsel viele Menschen. Doch meist bleibt es bei guten Vorsätzen. "Wir sind die Generation 'Man müsste mal'", urteilt die Autorin Claudia Langer.
Deutschland spricht 2019

Vorsätze wie "Man sollte endlich mal zum Ökostromanbieter wechseln" oder "Man müsste eigentlich zu einer ethischen Bank gehen" werden zwar oft beim Rotwein diskutiert, aber damit hat es sich dann. "Generation 'Man müsste mal'" nennt das die Münchner Autorin, Unternehmerin und Gründerin des Verbraucherportals "www.utopia.de", Claudia Langer (47).

Dabei ist den Deutschen der Einsatz für ihren Planeten wichtig. Das macht eine im Sommer 2012 veröffentliche Umfrage des Bundesumweltministeriums deutlich: Naturschutz wird von einer großen Mehrheit, 86 Prozent, als wichtige politische Aufgabe angesehen. 62 Prozent der Befragten fühlt sich persönlich für den Schutz der Natur verantwortlich und ist bereit, einen eigenen Beitrag zu leisten, sei es im Konsumverhalten oder durch freiwilliges Engagement.

Gegengift zur "Man-müsste-Mal"-Lethargie

"Doch das beißt sich mit dem tatsächlichen Verhalten", sagt Claudia Langer. "Gerade beim Konsum ist das echte Heuchelei, da bewegt sich fast nichts Wesentliches." Die Themen Ökologie, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit seien derart komplex, sagt Langer, "da fühlen wir uns schnell überfordert und machen dann lieber Ohren und Augen zu". Umso komplexer die äußere Welt erlebt werde, desto mehr bunkerten sich viele ein, konzentrierten sich auf Dinge, die sie kontrollieren könnten: den Urlaub, den Garten oder das eigene Zuhause.

Mal ist es der innere Schweinhund, dann vermeintliche Sachzwänge, die Hektik des Alltags, der Job, die Geldsorgen, die uns als Entschuldigung dienten, um nichts zu ändern. "Doch das macht uns nicht glücklich, weil die Ahnung und das schlechte Gewissen bleiben."

Als Gegengift zur "Man-müsste-Mal"-Lethargie rät Langer eine Neubewertung der eigenen Statussymbole vorzunehmen: "Anerkennung für ein CO2-neutrales Leben, anstatt der Bewunderung für die letzte Fernreise, Anerkennung für das Engagement, das wir in der Gemeinschaft leisten und für unsere lebenslang gepflegte Freundschaft, anstatt Bewunderung für unser Auto."

Sich als "lebenslang Übender" begreifen

"Unser größtes Problem ist unserer Ohnmacht", sagt die dreifache Mutter. "Doch wir können etwas tun. Und die Zeit drängt, der Klimawandel macht keine Pause."

Auch die Münchner Philosophin Rebekka Reinhard rät dazu, erst einmal klein anzufangen: "Wir machen oft den Fehler, aufgrund unseres Perfektionismus in zu großen Schritten zu denken". Im Bestreben, gleich die ganz großen Taten anzugehen, gehe viel Energie verloren. "Wir wollen immer sofort Ergebnisse erzielen, das baut einen enormen Druck auf." Hilfreich könne es jedoch sein, sich in der Tradition des griechischen Philosophen Epiktet (ca. 50-138) als "lebenslang Übender" zu begreifen, und Schritt für Schritt voranzugehen. "Das lehrt uns Demut, Gelassenheit und ist zielführender."

Vom französischen Schriftsteller und Philosophen Michel de Montaigne (1533-1592) stammt das Zitat: "Die Gewohnheit ist die mächtigste Herrin über die Dinge". "Unsere Gewohnheit, unser Anspruchsdenken und unsere Bequemlichkeit sind es aber gerade, die uns von einer grundsätzlichen Umstellung des Lebensstils abhalten", sagt Langer. "Faktisch steht die Welt vor dem Kollaps. Aber wir spüren die Auswirkungen nicht." Und solange man den gewohnten Lebensstil beibehalten könne, verbleibe man in der Diktion "Man müsste mal".

Oft sei es der ständige Vergleich mit "den anderen", die uns davon abhielten, unseren eigenen Weg zu gehen, sagt auch Philosophin Reinhard. Es könne helfen zu fragen: 'Wofür lebe ich?'. "Wenn ich auf diese Frage eine klare Antwort habe, dann weiß ich auch, welche Werte für mich wirklich handlungsleitend sind - unabhängig von der Meinung anderer. Dann laufe ich viel weniger Gefahr, ins Vergleichskarussell zu geraten", sagt Reinhard.

Die Jugend lässt hoffen: "Für die Jugend ist Umweltbewusstsein schon heute Mainstream", sagt Kerstin Küster, Bildungsreferentin bei Greenpeace Deutschland. Aus dem "Revoluzzerthema" sei ein "Reformthema" geworden. Das ergab auch eine repräsentative Studie des Instituts für Umweltkommunikation der Leuphana Universität Lüneburg im Auftrag von Greenpeace aus dem Jahr 2011. Rund 68 Prozent der 15 bis 24-Jährigen gaben an, eine intakte Umwelt sei die Grundlage für jede wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung: "Nun müssen wir ihnen nur noch die Möglichkeit geben, Zukunft mitzugestalten". - Und die Jugendlichen müssen ihren Worten mehr Taten folgen lassen als die Erwachsenen.