Der Strom der syrischen Flüchtlinge reißt nicht ab

Der Strom der syrischen Flüchtlinge reißt nicht ab
Weiterhin flüchten viele Syrer vor der Gewalt in ihrem Heimatland in den Nachbarstaat Türkei. Die Kapazitäten der Flüchtlingslager an der türkischen Grenze sind ausgereizt, und der Winter kommt.
22.12.2012
epd
Isabel Guzmán

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Rund 145.000 Menschen sind derzeit in der Türkei offiziell als Flüchtlinge registriert, wie die EU-Parlamentarierin Barbara Lochbihler dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte. Die Abgeordnete war als Leiterin des Unterausschusses Menschenrechte des Europaparlaments an die türkisch-syrische Grenze gereist. Sehr viele Flüchtlinge befänden sich noch auf der syrischen Seite, sagte Lochbihler dem epd. So sei ihr ein Grenzübergang bekannt, an dem sich jeden Tag zwischen 25.000 und 30.000 Menschen einfänden.

"Für sie ist jetzt im Winter die Lage sehr prekär", sagte Lochbihler. Zu den Flüchtlingen in den türkischen Lagern kämen noch 60.000 bis 80.000 Menschen, die unregistriert auf eigene Faust in die türkischen Städte gereist seien und dort bei Familien Zuflucht fänden. Die Türkei habe sich großzügig und gastfreundlich gezeigt, unterstrich die Grünen-Politikerin. Die Flüchtlinge hätten einen temporären Schutzstatus, über einen Asylstatus werde beraten.

Türkei bei humanitärer Hilfe stärker unterstützen

Lochbihler forderte die Europäische Union und ihre Mitgliedsländer auf, Ankara bei der humanitären Hilfe noch stärker zu unterstützen. Zwar sei die Infrastruktur in den Lagern gut - die Menschen lebten in warmen Wohncontainern, erhielten Lebensmittel und ärztliche Versorgung. Für die Kinder gebe es Schulunterricht. Allerdings würden ständig mehr Hilfe gebraucht, auch an langfristige Unterstützung müsse gedacht werden.

Es müsse auch darum gehen, die Wartenden im syrischen Grenzgebiet und die unregistrierten Flüchtlinge zu erreichen, sagte Lochbihler. Sinnvoll wäre es auch, wenn etwa Deutschland ähnlich wie im Libyen-Konflikt schwer verletzte Menschen bei sich aufnehme. Generell wäre die Aufnahme von Flüchtlingen in der Europäischen Union wünschenswert.