Ahrensburger Missbrauchsopfer kritisieren Kirchengericht

Ahrensburger Missbrauchsopfer kritisieren Kirchengericht
Ahrensburger Missbrauchsopfer haben dagegen protestiert, dass das Kirchengericht der Nordkirche das Disziplinarverfahren gegen den Ruhestandspastor Friedrich H. (71) eingestellt hat. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass der Pastor zu seiner Entlastung Stellung beziehen durfte, während die Zeugen nicht gehört worden seien, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung des Vereins "Missbrauch in Ahrensburg".

Wenn das Kirchengericht entlastend anführt, dass H. unter einer "Hetzkampagne" gelitten habe, so werde übersehen, dass dieser selbst mit widersprüchlichen Aussagen an die Presse gegangen sei. Sechs Missbrauchszeugen haben die Erklärung unterstützt.

Das Kirchengericht hatte Mitte November das Verfahren gegen den Ruhestandsgeistlichen aus Ahrensburg ohne Beweisaufnahme eingestellt. Eine "Entfernung aus dem Dienst" sei aus Gründen der Verhältnismäßigkeit "nicht gerechtfertigt", hatte der Vorsitzende Richter Bernd Wrobel erklärt. Vorgeworfen wird H., jahrzehntelang den vielfachen sexuellen Missbrauch seines Pastorenkollegen Dieter K. vertuscht und seinerseits junge Mädchen seiner Jugendgruppen sexuell missbraucht zu haben. Das Landeskirchenamt hatte dem Pastor "schwerwiegende Amtspflichtverletzungen" vorgeworfen und beim unabhängigen Kirchengericht seine Entfernung aus dem Dienst beantragt. Bischöfin Kirsten Fehrs hatte das Urteil des Kirchengerichts kritisiert.

Die Entscheidung des Gerichts sei "tendenziös", kritisieren die Missbrauchszeugen. Die Kirche habe ihnen Hoffnung gemacht, dass durch ihre Aussagen vor Gericht Licht in die Missbrauchsfälle hätte gebracht werden können. Die Einstellung des Verfahrens dürfe keineswegs als Freispruch für den Pastor gelten.

Seit Anfang der 70er Jahre soll der Ahrensburger Pastor Dieter K. über Jahrzehnte hinweg Jugendliche missbraucht haben. 13 Opfer haben sich mittlerweile bei der Kirche gemeldet. Öffentlich bekannt wurden die Taten erst 2010. Pastor K. gestand die Taten und quittierte den Kirchendienst. Bischöfin Maria Jepsen trat im Juli 2010 zurück, um "ein öffentliches Zeichen" zu setzen, wie sie sagte.
 

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