Kirchen sammeln für Projekte im Süden

Kirchen sammeln für Projekte im Süden
Spendenaktionen von "Brot für die Welt" und Adveniat eröffnet
Mit feierlichen Gottesdiensten haben die kirchlichen Hilfswerke "Brot für die Welt" und Adveniat am Sonntag ihre traditionellen Spendensammlungen in der Adventszeit gestartet.

Bei der Eröffnung der evangelischen Aktion "Brot für die Welt" rief der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July die Christen auf, die Augen beim Anblick von Not und Unrecht nicht zuzumachen. Sie könnten eintreten für die Hoffnung und für Gerechtigkeit, weil sie sich nicht allein gegen die Finsternis stellen müssten.

ARD-Fernsehgottesdienst

In dem ARD-Fernsehgottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche verwies July darauf, dass der verschwenderische moderne Lebensstil des Westens mit der Not, der Ungerechtigkeit und der Friedlosigkeit von Menschen in den armen Ländern bezahlt werde. "Es ist absurd zu glauben, dass wir nichts mit alldem zu tun haben." Die 54. Aktion steht unter dem Motto "Land zum Leben - Grund zur Hoffnung".

José Pilar Alvarez Cabrera, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirche in Guatemala berichtete in Stuttgart vom Kampf der Menschen in seinem Land um "Wasser, Boden und Rechte". Seine Kirche helfe den Kleinbauern beim friedlichen Widerstand und er selbst werde deshalb mit dem Leben bedroht. "Aber wir müssen weitermachen, uns für die Menschenrechte einzusetzen," sagte er.

Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat der katholischen Kirche eröffnete seine Spendenaktion mit einem Gottesdienst in der Hildesheimer Basilika St. Godehard. Bischöfe aus Bolivien, Brasilien, Argentinien, Paraguay und Mexiko waren anwesend. Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle sagte zu dem Motto der Aktion, "Mitten unter euch", Kirche lebe überall dort, wo Christus lebendig erfahrbar werde. Die Spendenaktion stellt in diesem Jahr die Basisgemeinden in Lateinamerika in den Blickpunkt.

"Kirche darf sich nicht von den Menschen entfernen"

Trelle bedauerte, dass das Bild der Kirche von "Oben und Unten", vom Volk Gottes versus Amtskirche weit verbreitet sei. Das sei in Lateinamerika nie der theologische Ansatz gewesen.  Die Strukturen der katholischen Kirche wandelten sich. Es werde in Zukunft sehr große Pfarrgemeinden geben: "Genau das darf aber nicht dazu führen, dass die Kirche vom Leben der Menschen fernrückt", mahnte der Bischof.

Adveniat unterstützt die lateinamerikanischen Kirchen seit 50 Jahren, derzeit rund 3.000 Projekte mit etwa 40 Millionen im Jahr. Die Basisgemeinden unterstützte das in Essen ansässige Hilfswerk im vergangenen Jahr mit einer halben Million Euro. Partner sind die knapp 800 Bistümer in Lateinamerika und der Karibik. Schlusspunkt der Aktion ist die Weihnachtskollekte für ganz Lateinamerika und die Karibik am 24. und 25. Dezember.

Das Hilfswerk "Brot für die Welt" wird getragen von evangelischen Landes- und Freikirchen und ist im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung in Berlin angesiedelt. Seit 1959 bittet die Aktion in jedem Jahr zu Beginn der Adventszeit um Spenden für Hilfsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Im vergangenen Jahr gingen rund 54 Millionen Euro ein.