DGB-Experte: Menschenleben in Textilsektor wenig Wert

DGB-Experte: Menschenleben in Textilsektor wenig Wert
Nach den Bränden in zwei Textilfabriken in Bangladesch hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie angeprangert. "Die Tragödie ist leider wieder ein Beleg dafür, wie wenig auf Menschenleben geachtet wird und auf Arbeitsschutz", sagte Frank Zach, Asienbeauftragte in der internationalen Abteilung des DGB dem Evangelischen Pressedienst.

"Wenn man im Ausland produzieren lässt, sollte man Mindeststandards einhalten, damit nicht Leib und Leben der Arbeitskräfte gefährdet sind. Brandschutzmaßnahmen sind nichts, was ein Produkt überteuern würde", betonte Zach. Im Grundgesetz stehe das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das müsse auch für die Produzenten im Ausland gelten. Am Samstag waren mehr als 100 Menschen bei einem Brand in einer Textilfabrik nahe der Hauptstadt Dhaka umgekommen, die meisten von ihnen Frauen. Eine weitere Fabrik brannte am Montag, mehrere Arbeiter wurden verletzt.

Grundsätzlich ist der Textilsektor laut Zach wegen der langen Handelskette vom Rohstoff bis zum Endprodukt sehr kompliziert. Es gebe keine einfachen Lösungen, um die Lage der Arbeiter zu verbessern. "Es sind viele Schrauben, die da gedreht werden müssen." Eine entscheidende Verantwortung hätten jedoch die Unternehmen, die die Kleider verkauften, wie im Fall der in Bangladesch abgebrannten Fabrik etwa C&A. "C&A hat eine gewisse Marktmacht", sie könnten Firmen mit schlechten Arbeitsbedingung die Aufträge entziehen.

"Die Firmen müssten erklären, wie die Kontrollen funktionierten"

"Für Konsumenten ist es sehr schwierig zu wissen, woher die Sachen kommen", sagte Zach. Es sei kaum vermeidbar, dass man Kleidung kaufe, die unter schlechten Arbeitsbedingungen hergestellt wurde. "Wenn man aber weiß, dass ein Unternehmen in so einer Fabrik produzieren lässt, muss man Druck auf sie ausüben." Die Firmen müssten erklären, wie die Kontrollen funktionierten, wenn dennoch derartige Arbeitsschutzmängel herrschten. "Wer wird denn da beauftrag so etwas zu kontrollieren, wenn es hinterher in einer Fabrik immer noch keine Fluchtwege gibt?" 

Ein weiterer Ansatz seien die Regierungen der Länder, in denen produziert werde. "Die Regierungen sind verantwortlich für einen nachhaltigen Arbeitschutz und dessen Überwachung. Dazu gehört auch ein Beschwerderecht für Arbeitnehmer". Aber auch die Importländer seien gefragt. "Die EU ist für Außenhandel zuständig, wo wird denn da Druck ausgeübt?" Hier müssten Mindeststandards eingefordert werden. Es könne nicht nur um freien Handel und Zugang zu Märkten gehen.