Fleischverbot für Chinas Olympia-Sportler

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Chinas Profi-Sportler werden seit Jahren mit Lebensmitteln besonderer Qualität versorgt. Sie bekommen zum Beispiel Bio-Gemüse, das eigens für sie angebaut wird.
Fleischverbot für Chinas Olympia-Sportler
In chinesischen Garküchen und Restaurants ist das Essen meist preiswert - gesund und sicher ist es jedoch nicht. Olympia-Sportlern müssen besondere Vorsicht walten lassen.
26.07.2012
epd
Silke Ballweg

Die Liste der Lebensmittelskandale in China ist lang. Viele Menschen sind misstrauisch geworden: "Wir essen eigentlich kaum mehr auswärts, sondern kochen daheim", sagt ein 60-jähriger Chinese in Peking: "Da kann man zwar auch nicht ganz sicher sein, aber dann wissen wir wenigstens, was wir gekauft haben." Spitzensportler müssen besonders aufpassen, etwa wegen der Doping-Tests bei Olympischen Spielen.

Ob verseuchtes Milchpulver, altes Speiseöl oder Antibiotika im Fleisch: Immer wieder machen verdorbene oder vergiftete Nahrungsmittel in der Volksrepublik Schlagzeilen. Chinas Profi-Sportler werden daher seit Jahren mit Lebensmitteln besonderer Qualität versorgt. Sie bekommen Bio-Gemüse, das eigens für sie angebaut wird. Und Fleisch von Tieren, die ohne Wachstumshormone oder Antibiotika aufgewachsen sind. Dennoch sind auch diese Lebensmittel nicht sicher. Deswegen durften Chinas Olympia-Athleten bereits seit über einem halben Jahr kein Rind-, Lamm- und Schweinefleisch essen.

Kälbermastmittel sorgt für Rückstände

Die Sportverbände sorgen sich um die Rückstände im menschlichen Körper. Dabei geht es vor allem um das Kälbermastmittel Clenbuterol. Es reduziert bei Tieren den Fettgehalt des Fleisches und lässt es schön rosig aussehen. Doch beim Verzehr geht Clenbuterol auch auf den menschlichen Körper über: "Clenbuterol ist eine Art Hormon. Bei Menschen kann es den Herzschlag beschleunigen und Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben", sagt Zhou Linguo vom Chonqinger Lebensmittelamt: "Es kann zu Leber- und Nierenschäden führen."

Clenbuterol ist beinahe weltweit verboten - doch in Mexiko und China wird es in der Tiermast exzessiv verabreicht. Wegen seiner anabolen Wirkungen haben Spitzensportler in der Vergangenheit immer wieder mit Clenbuterol gedopt. Es beschleunigt den Muskelaufbau. Die chinesischen Schwimmerinnen Ouyang Kunpeng and Jessica Hardy wurden wegen positiver Clenbuteroltests 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking gesperrt.

Tischtennisprofi war unter Dopingverdacht

Und so haben Funktionäre Angst, dass Dopingtests bei den am Freitag in London beginnenden Olympischen Spielen auch wegen des Fleischverzehrs der chinesischen Sportler positiv ausfallen könnten. An die Gesundheit ihrer Schützlinge denken sie offenbar weniger: "Ob Clenbuterol den Sportlern schadet, darum geht es nicht unbedingt," meint der ehemalige Basketball-Nationalspieler Chen Kai.

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Auch internationalen Spitzen-Sportlern wäre der Fleischverzehr in China schon fast einmal zum Verhängnis geworden. So schlug etwa ein Dopingtest bei dem deutschen Tischtennisprofi Dimitrij Ovtcharov an. Erst nach einer Reihe von Untersuchungen konnte er den Dopingverdacht ausräumen und klarstellen, dass er Clenbuterol über Lebensmittel in China aufgenommen hatte.

Einen wesentlichen Beweis damals lieferte eine Haarprobe. Denn die Analyse eines Haares zeigt, wann ein Sportler in den Wochen davor begonnen hat, Clenbuterol zu sich zu nehmen. Viele Sportler nutzen die Haarprobe nun ganz bewusst als Vorsichtsmaßnahme. Damit auch er im Zweifelsfall den Anti-Doping-Beweis antreten kann, lässt sich etwa der Tischtennisprofi Timo Boll bei längeren China-Aufenthalten die Haare wachsen.