Wewel: Streik und Aussperrung passen nicht zur Diakonie

Wewel: Streik und Aussperrung passen nicht zur Diakonie
Die von der Gewerkschaft ver.di mehrfach bestreikten Diakonischen Dienste Hannover haben klassische Tarifverhandlungen mit Streik und Aussperrung erneut klar abgelehnt. Diakonische Unternehmen erwirtschafteten keine Rendite, die an Aktionäre oder Gesellschafter ausgeschüttet werde, sagte Utz Wewel als Sprecher der Geschäftsführung am Dienstag im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Alle Überschüsse blieben in der Einrichtung und flössen in Investitionen.

"Die diakonischen Unternehmen sind aus Stiftungen hervorgegangen, sie gehören niemanden", betonte Wewel. Sie seien ausschließlich ihrem Stiftungsauftrag verpflichtet, der Zuwendung zum Menschen. "Wir lassen unsere Schutzbefohlenen nicht allein, deshalb gibt es nach dem kirchlichen Arbeitsrecht weder Aussperrung noch Streik."

Die Diakonischen Dienste Hannover zählen mit rund 4.500 Mitarbeitern zu den zehn größten diakonischen Einrichtungen in Deutschland. Mitarbeitervertreter, ver.di sowie die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hatten wiederholt ein Ende des kirchlichen Arbeitsrechts und den Einstieg in klassische Tarifverhandlungen mit Streikrecht gefordert.

Kein Beweis, dass Gewerkschaft Vorteil bringt

Wewel unterstrich dagegen: "Für die Annahme, dass es durch Gewerkschaften vorteilhaftere Bedingungen für Arbeitnehmer geben würde, gibt es keinen Beweis." Er verwies darauf, dass ältere Arbeitnehmer in seiner Unternehmensgruppe sieben freie Tage zusätzlich erhielten. Alle Mitarbeitenden bekämen eine Kinderzulage von 100 Euro im Monat. Die Arbeitszeit sei mit 38,5 Stunden pro Woche geringer als in anderen Krankenhäusern. Diese Regelungen seien von den Mitarbeitern in der Arbeitsrechtlichen Kommission der niedersächsischen Diakonie erkämpft worden.
Der Unternehmenschef zeigte sich zuversichtlich, dass die Mitarbeitervertreter sich weiterhin an den zurzeit stockenden Entgeltverhandlungen beteiligen. "Wenn sie sich dauerhaft verweigern, wird eine Schlichtung ohne sie ausgeführt." Die Mitarbeiter hatten den Verhandlungstisch vor anderthalb Jahren verlassen und stattdessen klassische Tarifverträge verlangt.

Wewel betonte, die Mitarbeitervertreter seien dafür gewählt und freigestellt worden, die Beschäftigten innerhalb des kirchlichen Systems zu vertreten. "Die Mitarbeiter haben ein Recht darauf, dass die Ordnung eingehalten wird und keine Endlosschleife entsteht."

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