An der Gedächtniskirche werden 50 Jahre Dreck weggespült

Mitarbeiter der Firma Kärcher

Alfred Kärcher GmbH & Co. KG

Ein Mitarbeiter der Firma Kärcher putzt die Fenster der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche.

An der Gedächtniskirche werden 50 Jahre Dreck weggespült
Die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche erhält eine Schönheitskur
Zum ersten Mal wird die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin professionell gereinigt. Den Dreck von 50 Jahren spült die Firma Kärcher von den Kirchenfenstern - eine PR-Aktion für die Reinigungsfirma auf der einen Seite, aber zugleich ein willkommenes Angebot für die Kirchenverantwortlichen. Es ist nicht das erste historische Monument, dem die Firma auf eigene Kosten zu neuem Glanz verhilft.

Langsam lässt sich die dunkle Gestalt hinter den blauen Bleiglasfenstern herab. Ein lautes, dröhnendes Geräusch ist in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu vernehmen. Es ist der Lärm von Hochdruckreinigern und Abwasserpumpen, der die sonst übliche Stille im alten Wahrzeichen von Berlin (West) zerbricht.

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Im Jahr nach ihrem 50. Geburtstag erhält die Kirche am Kurfürstendamm eine Schönheitskur. Jedes einzelne der 22.000 Fenster wird von Mitarbeitern der Winnender Firma Kärcher und des Berliner Gebäudereinigers Dussmann mit Hochdruckreinigern geputzt. "Im letzten Jahr hat mich ein schöner Brief erreicht, in dem die Firma Kärcher anbot, die Gedächtniskirche zu reinigen, und zwar mit allem Know-How", sagt Germer.

Experten fürs Polieren

Denn das fachmännische Reinigen historischer Kulturgüter hat bei dem Baden-Württemberger Unternehmen Tradition: Die Präsidentenköpfe von Mount Rushmore wurden von Mitarbeitern der Firma ebenso vom Dreck der Jahrhunderte befreit, wie die berühmte Christusstatue von Rio de Janeiro. "Für uns ist das ein Beitrag, um einzigartige Zeitzeugnisse für die Zukunft zu sichern", sagt Christian May, Direktor der Alfred Kärcher Vertriebs-GmbH.

Und der praktische Aufwand dafür ist erheblich: Weil sich im engen Zwischenraum zwischen Außenwand und Kirchsaal der Gedächtniskirche kein Gerüst aufstellen lässt, kommen Fassadenkletterer zum Einsatz. 1,5 Kilometer Panzerklebeband und 1.200 Quadratmeter Teichfolie wurden verklebt, um die Jahrzehnte alte Elektronik der Kirche vor Wasserschäden zu schützen. Und große Pumpen leiten die an den Scheiben herabfließenden Abwässer direkt in die Kanalisation. Dabei helfen Spezialsauger, wie sie sonst nur von Feuerwehren verwendet werden.

Dreckige Vergangenheit

Doch wer seine Fenster nicht regelmäßig putzt, muss eben am Ende zu schwerem Gerät greifen. "In dem Zwischenraum zwischen dem Kirchraum und der Außenwand gibt es zwar auch eine Hebebühne zum Fensterputzen, aber die wurde wohl nie benutzt", bekennt Pfarrer Martin Germer die dreckige Vergangenheit seines Gotteshauses. Die laufende Grundreinigung dürfte für viele Scheiben der Erstkontakt mit einem Putzmittel sein.

Doch das Ergebnis wird sich sehen lassen können: Wenn die rund 250.000 Euro teuere, komplett gesponserte Schönheitskur für die Kirche, die im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feierte, pünktlich zur Einführung der Luther-Beauftragten der EKD Margot Käßmann am 27. April fertig ist, soll es im Kirchenraum viel heller sein. "Wir wollen dann auch die insgesamt 96 400-Watt-Strahler, die den Kirchbau nachts beleuchten, durch moderne LEDs ersetzen", so Germer. Dafür hat uns der Berliner Senat bereits 100.000 Euro Fördermittel zugesagt.