Der neue Chef will die Weltbank modernisieren

Foto: dpa/Andrew Harrer
US-Präsident Obamas Wunschkandidat Jim Yong Kim ist neuer Weltbankchef und tritt am 1. Juli 2012 sein Amt an.
Der neue Chef will die Weltbank modernisieren
Er tanzt und singt mit seinen Studenten. Eine Frischzellenkur könnte Jim Yong Kim auch der Weltbank verpassen, wenn er an diesem Sonntag die Leitung übernimmt. Der Amerikaner mit koreanischer Herkunft ist der erste Mediziner auf dem Chefposten.
01.07.2012
epd
Susann Kreutzmann

Als Barack Obama einen Arzt für den Posten des Weltbankpräsidenten vorschlug, war die Überraschung perfekt. Kaum jemand kannte Jim Yong Kim in der Finanz- und Wirtschaftswelt. Der Schachzug war geschickt, Kim wurde im April gewählt. Somit stellen die USA wie stets in der 68-jährigen Geschichte der Organisation den Chef. Aber Kim hat asiatische Wurzeln: Er ist in Südkorea geboren und kam als Fünfjähriger mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten.

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Der künftige Weltbank-Präsident ist kein Ökonom, aber er kennt die Armut in den Slums von Peru und die Arbeit internationaler Organisationen in Entwicklungsländern. "Der Leiter der Weltbank sollte ein umfassendes Verständnis von Entwicklungspolitik haben", sagte denn auch Obama zu seinem Vorschlag. Mit einem Arzt an der Spitze des Instituts verbindet er auch die Hoffnung, dass der Kampf gegen Krankheiten hohe Priorität bekommen wird. Wenn die Bevölkerung gesund sei, mache dies Wachstum und Wohlstand möglich, sagte Obama. Deshalb sei Kim besser qualifiziert als jeder andere Bewerber.

Der 52-Jährige mit der randlosen Brille und dem lichter werdenden Haar ist ein international angesehener Gesundheitsexperte und früherer Harvard-Professor. Er leitete bei der Weltgesundheitsorganisation das Anti-Aids-Programm und untersuchte die Probleme des US-Gesundheitswesens. Er hat einen Doktortitel in Medizin und einen in Anthropologie.

Fachmann für Tuberkulose

Einen Namen machte er sich als Experte für Tuberkulose. Zuletzt leitete er das private Dartmouth College im Bundesstaat New Hampshire, das zu den Elite-Universitäten gezählt wird. In den 80er Jahren gründete Kim mit anderen die humanitäre Organisation "Partners in Health", die sich in Haiti, Peru, Russland, Ruanda, Lesotho und Malawi für die medizinische Behandlung von Aids-Kranken einsetzt.

Erhoffen sich Kims Anhänger frischen Wind für den schweren Tanker Weltbank, monieren Kritiker, dass es ihm an Erfahrung über den Gesundheitssektor hinaus fehle. Sie hegen Zweifel, ob er die fälligen Reformen der Institution mit ihren 10.000 Mitarbeiterin anstoßen kann. Die Weltbank versteht sich als Flaggschiff im Kampf gegen die weltweite Armut und ist einer der wichtigsten Finanzierern von Entwicklungsprojekten in den ärmsten Ländern. Zu ihren Programmen gehören Straßenbau, Energie und Wasserversorgung.

Offener für arme Länder

Kim wird der erste Weltbankpräsident, der nicht Banker oder Politiker ist. Er versuchte, Zweifel an seiner Person zu zerstreuen. Auf einer Bewerberreise durch Asien, Afrika und Lateinamerika versprach er, die Weltbank in einer sich rasch wandelnden Welt flexibler - und offener für die Probleme und Bedürfnisse ärmerer Staaten zu machen. Vielleicht wird er ein Weltbank-Präsident, der auf Augenhöhe mit Politikern und Bankern in Entwicklungsländern sprechen kann, die sich oft dem Diktat einer US-gesteuerten mächtigen Institution ausgeliefert sehen.

Der Sohn eines Zahnarztes ist mit einer Kinderärztin verheiratet und Vater von zwei Jungen. Dass er auch Sinn für Humor hat, beweist ein Video auf youtube. Dort rappt und steppt er zusammen mit seinen Studenten auf einer Universitätsfeier zu dem 80er-Jahre-Hit "Time of my Life". Nicht nur auf der Tanzfläche, auch beim Sport macht Kim eine gute Figur. Sogar US-Präsident Obama lobte den ehemaligen Basketball-Champion.