Fußball gucken bei der Kirche: Eine runde Sache

Public Viewing in der Kirchengemeinde

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Da bleibt kein Auge trocken: Public Viewing in der Kirchengemeinde ist ein Publikumsmagnet, auch für Nicht-Kirchenmitglieder.

Fußball gucken bei der Kirche: Eine runde Sache
Die EKD übernimmt die Kosten für Public Viewing bei den Kirchengemeinden. Die Anmeldung ist unkompliziert
In diesem Sommer ist wieder Public Viewing angesagt: zur Fußball-EM vom 8. Juni bis 1. Juli. Das ist auch ein Thema für die Kirche - und jede Gemeinde kann mitmachen, wenn sie einige wenige Regeln beachtet.

Man kann die Sache grundsätzlich angehen und sagen: Das gemeinsame Schauen von Fußballspielen auf Großbildschirmen ist eine "Sonderwelt mit quasi-religiösem Charakter". So zitierte die evangelische Nachrichtenagentur epd den Frankfurter Sportsoziologen Robert Gugutzer zur Weltmeisterschaft 2010.

Der Gott, zu dessen Ehren dieses Fest abgehalten werde, sei jedoch kein bestimmter Fußballer und auch nicht der Sport, sondern das eigene Ich, so der Fachmann vom Main. Ein Gott namens Ego? Die Abertausende, die sich zu großen Turnieren vor den Großbildschirmen auf Marktplätzen, in Biergärten und sogar Stadien zusammenfinden, werden das anders beurteilen - als gemeinschaftliches Erlebnis von Sieg und Niederlage, das vom heimischen Sofa aus so nicht erlebbar ist.

Rahmenvertrag seit der WM in Deutschland 2006

Seit 2006 - zur als "Sommermärchen" in die Fußballgeschichte eingegangenen WM - schließt sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) dem Freiluft-Glotz-Boom an und bietet ihren (und nur ihren) Kirchengemeinden sowie deren sportbegeisterten Schäfchen einen einzigartigen Service.

kirche-und-sport.deFür die evangelischen Gemeinden, die sich mittels eines unkompliziert gestalteten Webformulars als Veranstalter eines Public Screenings eintragen, übernimmt die EKD die Lizenzgebühren für die öffentliche Vorführung - unter der Bedingung, dass Selbige "nichtkommerziell" erfolgt, also auch nicht das kleinste Eintrittsentgelt erhoben wird.

Weit mehr als 1.000(!) Gemeinden in Deutschland tun das bereits - und täglich werden es mehr, wie auf www.kirche-und-sport.de zu beobachten ist. "Etwas über 20 Euro pro Gemeinde" lässt sich die Dachorganisation der deutschen Protestanten nach Auskunft ihres Sprechers Reinhard Mawick das Vergnügen für das komplette EM-Turnier pro Kirchengemeinde kosten - nicht zu viel, möchte man meinen, rechnet man den Betrag auf die einzelne Zuschauerin, den einzelnen Zuschauer und die mehr als drei Turnierwochen um.

Die Anmeldung ist unbürokratisch - aber unverzichtbar

Der (rechtlich zwingend vorgeschriebene) Lizenzierungsvorgang ist in wenigen Augenblicken erledigt und denkbar unbürokratisch. Aber auch fürs Publikum hält die EKD auf kirche-und-sport.de einen nutzerfreundlichen Service bereit: Mit der interaktiven Karte dort lassen sich schnell die Hunderte Kirchengemeinden ausfindig machen, die ein gemeinsames Public Viewing zur Europameisterschaft veranstalten - und sich ordnungsgemäß dafür angemeldet haben.

Robert Gugutzer führt den Boom des Public Viewing auf das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit zurück. Wo sich die traditionellen Bindungen der Großgruppen - Verwandtschaft, Nachbarschaft, Dorfgemeinschaft oder Kirchengemeinde - auflösten, suchten sich die Menschen neue, alternative Gemeinschaften. "Public Viewing ist eine harmlose Möglichkeit, die Identifikation mit einem Kollektiv, etwa der eigenen Nation, lustvoll, kreativ und mit Spaß zum Ausdruck zu bringen", so der Soziologe.

An dieser "Festivalisierung der postmodernen Alltagskultur" hätten alle teil, Männer wie Frauen, Junge wie Alte, Angehörige sozialer Unter- wie Oberschichten, hat Gugutzer festgestellt. Bleibt nur noch die Frage, welches Team wohl am 1. Juli im Finale steht. Doch egal welche Mannschaft am Ende siegt - in den Gemeinden wird mit Sicherheit mitgefiebert.


 

Wie läuft das Public Viewing in Ihrer Gemeinde ab? Wir von evangelisch.de wollen Ihre besten Fotos sehen (und natürlich zeigen). Greifen Sie zur Kamera und zeigen Sie uns den Jubel vor der Kirchentür, die Fanartikel im Kirchenfenster, die Gemeinschaft um den Grill! Schicken Sie uns ihre Bilder bis zum 25. Juni, nach dem Viertelfinale. Aus allen Einsendungen wählen wir die schönsten und verrücktesten aus und zeigen sie in einer Bildergalerie. Schicken Sie ihre Bilder einfach per Mail an , Betreff: "Kirche guckt Fußball". Bitte vergessen Sie nicht, den Namen ihrer Gemeinde und das Spiel, dass Sie gemeinsam gesehen haben, mit in die Mail zu schreiben.