Frankfurt a.M. (epd). Die Zahl der Organspender ist in Deutschland das zweite Jahr in Folge leicht gestiegen. In den vergangenen neun Monaten habe es ein Plus von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 772 postmortale Spender gegeben, sagte Axel Rahmel, der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), zum Auftakt des Jahreskongresses der DSO in Frankfurt am Main. Trotz der positiven Tendenz sei die Zahl der Organspenden angesichts von rund 8.000 Menschen, die auf ein Organ warteten, deutlich zu niedrig. Deutschland liege im internationalen Vergleich noch immer weit hinten und führe über die Vermittlungsstelle Eurotransplant mehr Organe ein als es abgebe.
Gemeinsam mit der Schauspielerin Helene Grass, deren Mann Lutz Rademacher im vergangenen November im Alter von 56 Jahren überraschend nach einem Herzstillstand gestorben ist, appellierte Rahmel an die Bürgerinnen und Bürger, zu Lebzeiten eine Entscheidung darüber zu treffen, ob jemand Organe spenden wolle oder nicht.
Klarheit am wichtigsten
„Auch ein Nein ist besser als keine Antwort“, sagte Grass. Am wichtigsten sei die Klarheit, betonte sie. Grass' verstorbener Mann Rademacher war Dirigent und Generalmusikdirektor des Landestheaters Detmold. Sie selbst ist die Tochter von Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass.
Die Schauspielerin betonte, dass es ihr und ihrer Familie eine große Sicherheit gegeben habe zu wissen, was ihr Mann wollte, nämlich seine Organe zu spenden. Als ein Arzt ihr mitgeteilt habe, dass bei ihrem Mann keine Hirntätigkeit mehr messbar sei, habe sie ihm den Organspendeausweis ihres Mannes gegeben. Für alle Fragen und Zweifel, ob es wirklich keine Chance mehr für ihren Mann gebe, sei trotz der gebotenen Eile vor der Organentnahme Zeit gewesen, betonte sie.
„Moment der Hoffnung“ trotz Schreck und Trauer
Sie und ihre Familie hätten sich in einer schwierigen Situation nicht noch mit einer schwierigen Entscheidung beschäftigen müssen, darüber sei sie sehr froh. „In dem Schreck und der Trauer gab es auch einen Moment der Hoffnung, als ich mir vorgestellt habe, dass jetzt irgendwo ein Telefon klingelt und jemand seine Tasche schnappt und ins Krankenhaus fährt, um ein neues Organ zu bekommen“, fügte Grass hinzu.
DSO-Vorstand Rahmel vermutet, dass die häufig fehlende dokumentierte Entscheidung eines potenziellen Spenders oder einer Spenderin zu der niedrigen Organspenderzahl von etwa 12,4 Spendern pro eine Million Einwohner beiträgt. Wenn Angehörige nichts über den Willen der Verstorbenen wüssten, stimmten sie einer Organentnahme aus Unsicherheit oft nicht zu.
In Deutschland gilt die sogenannte Zustimmungsregelung. Sie legt fest, dass nach dem Tod Organspender ist, wer einer Entnahme von Organen oder Gewebe zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat oder dessen Angehörige diese Zustimmung geben. Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten setzt sich dafür ein, dieses Prinzip umzukehren: Organspender soll demnach sein, wer zu Lebzeiten nicht widersprochen hat.




