Robert Geisendörfer Preis: Das sind die Gewinner:innen

Medallien bei der Verleihung des Geisendörfer Preises.
epd-bild/Bettina Theuerkauf
Diese Medallien erhalten die Gewinner:innen des Robert Geisendörfer Preises.
Ausgezeichnete Publizistik
Robert Geisendörfer Preis: Das sind die Gewinner:innen
Acht Auszeichnungen in vier Sparten und ein Sonderpreis für die WDR-Journalistin Isabel Schayani - mit dem Robert Geisendörfer Preis ehrt die evangelische Kirche jährlich herausragende Medienproduktionen. Dieses Jahr fand die Verleihung in Mainz statt.

Die Jury "Allgemeine Programme" des Robert Geisendörfer Preises unter Leitung der Vorsitzenden, Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst, zeichnet folgende Produktionen aus:

Hörfunk

Dokumentarhörspiel "Auch wenn es dunkel ist":
Den Preis erhalten Dirk Laucke (Regisseur) und Sharon On (Autorin). 
Rundfunk Berlin-Brandenburg 2025, Redaktion: Contentbox Kultur, Verantwortliche Redakteurin: Juliane Schmidt. 

Dirk Laucke (Regie) und Sharon On (Autorin)

Begründung der Jury:
Das beeindruckende Dokumentarhörspiel "Auch wenn es dunkel ist" von Sharon On und Dirk Laucke blickt auf die Opfer des Hamas-Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023. Aus Interviews mit Überlebenden und Angehörigen setzt sich aus unterschiedlichen Perspektiven ein Bild der Grausamkeiten zusammen. Die nachgesprochenen Zeugenaussagen schaffen dabei eine notwendige Distanz. Die Stärke des Stücks liegt darin, dass es nicht kommentiert oder deutet, sondern ganz auf die Wucht der Aussagen vertraut. So wird auch hörbar, wie die Betroffenen sich für das Leben entscheiden.

Hörspiel "Für immer seh ich dich wieder":
Den Preis erhalten Cordula Dickmeiß (Regisseurin) und Yannic Han Biao Federer (Autor). Norddeutscher Rundfunk 2025, Redaktion: Radiokunst, Verantwortlicher Redakteur: Michael Becker.

Teamfoto: V.l.n.r.: Johanna Bantzer, Jan Krauter, Marie Löcker, Cordula Dickmeiß (3.v.l., Regie) , Jan Meeno Jürgens und Anne Kulbatzki im Studio.

Begründung der Jury: Neben den großen Weltkrisen gibt es Katastrophen, von denen kaum jemand erfährt: den Tod des ungeborenen Kindes. Das NDR-Hörspiel "Für immer sehe ich dich wieder" nach dem Roman von Yannic Han Biao Federer bringt die Hörenden unter Cordula Dickmeiß’ Regie so nah an diese Tragödie, dass Zuhören zum radikalen Mitfühlen wird – nie als Voyeure, sondern wie Freunde an der Seite der Eltern. Es gibt dem tabuisierten Thema gesellschaftlichen Raum und macht Mut, Tod und Trauer offen, tröstend und hoffnungsvoll zu begegnen.

Fernsehen

Dokumentarfilm "I Am What I Am – Stolz, eine Frau zu sein":
Den Preis erhalten die Produzenten Christian Beetz und Georg Tschurtschenthaler sowie die Autoren und Regisseure Sagi Bornstein und Udi Nir. Norddeutscher Rundfunk in Kooperation mit ARTE 2025, Verantwortliche Redakteurinnen: Claudia Cellarius (NDR), Catherine Le Goff (ARTE). 

Sagi Bornstein (Regie)

Begründung der Jury: Mit "I Am What I Am – Stolz, eine Frau zu sein" zeichnet die Robert Geisendörfer Jury einen Dokumentarfilm über die israelische Transgenderaktivistin Efrat Tilma aus. Sagi Bornstein und Udi Nir porträtieren sie aus großer Nähe und mit tiefem Respekt, ohne sie zur Heldin oder zum Symbol zu machen – sie zeigen einen Menschen mit Wunden, Humor und Lebensklugheit. Die Kamera ist nah, aber nie aufdringlich, lässt Widersprüche stehen. So erinnert der Film daran, dass Identität kein Etikett ist, sondern das Recht jedes Menschen, ein Leben zu führen, das ihm entspricht.

Fernsehfilm "Sturm kommt auf":
Den Preis erhalten Josef Hader und Sigi Zimmerschied (Schauspieler) sowie Hannah Hollinger (Autorin) und Matti Geschonneck (Regisseur). Zweites Deutsches Fernsehen in Kooperation mit dem ORF 2025, Redaktion: Fernsehfilm/Serie, Verantwortliche Redakteur*innen: Daniel Blum (ZDF), Sabine Weber (ORF).

Elies (Verena Altenberger) und ihr Sohn Russl (Max Jung) sind auf dem Weg vom benachbarten Schusterhäusl zu ihrem Hof.

Begründung der Jury:
Regisseur Matti Geschonneck, Drehbuchautorin Hannah Hollinger und die Hauptdarsteller Josef Hader und Sigi Zimmerschied zeigen in diesem herausragenden Fernsehzweiteiler, wie der Nationalsozialismus nach dem Ersten Weltkrieg in ein oberbayerisches Dorf kam und sich ausbreitete. "Sturm kommt auf" ist dabei weit mehr als ein historischer Heimatfilm: ein eindringliches Lehrstück für Gegenwart und Zukunft. Der Film zeigt, wie politische und gesellschaftliche Strukturen zerstört werden – und erinnert daran, dass jede und jeder Einzelne Verantwortung trägt, wenn der antidemokratische Sturm aufzieht.

Online

Dokupodcast "Irma. Das Kind aus Srebrenica":
Den Preis erhalten die Autor*innen Bastian Berbner und Simone Gaul. 
Zeit.de. 

Irma Hasanović im März 2025 im Garten ihrer Mutter in der Nähe von Sarajev

Begründung der Jury: Die Hosts Bastian Berbner und Simone Gaul erzählen in ihrem "Zeit"-Dokupodcast "Irma. Das Kind aus Srebrenica" vorbildlich von Irma, die das Massaker von 1995 überlebt hat. Vielstimmig verbinden sie ihre wahre Geschichte mit Kriegsverbrecherprozessen, UN-Blauhelm-Interviews und der Spurensuche dreißig Jahre später. Beeindruckend zeigt "Irma", wie aus den Leerstellen der Erinnerung Zukunft entsteht – wichtig und relevant.

Lebensgeschichten Ü60 auf Tiktok "OldieFans":
Den Preis erhalten die Redakteurinnen Martika Baumert und Michèle Kraft. 
Südwestdeutscher Rundfunk, Redaktion: SWR Heimat. 

Screenshot TikTok "Oldie.Fans"

Begründung der Jury:
Das "SWR Heimat"-Redaktionsteam mit Martika Baumert und Michèle Kraft schafft mit "OldieFans" ein Tiktok-Format, dem es vorbildlich gelingt, Brücken zwischen Generationen zu bauen. Der Kanal porträtiert wunderbar individuell verschiedene Menschen Ü60. Den Erfahrungen der Älteren zugewandt, statt sie zu ignorieren, das Format macht die Erfahrungen in Social-Media-Kurzgeschichten mit beeindruckender Vitalität gezielt für ein junges Publikum zugänglich. So fördert "OldieFans" herausragend den Dialog zwischen Digital Natives und "Digital Oldies".

Kindermedien

Die Jury "Kindermedien" des Robert Geisendörfer Preises unter Leitung des Vorsitzenden Udo Hahn verleiht ihre Preise an folgende Produktionen:

Dokumentarischer Trickfilm Die Sendung mit der Maus – "Felix Nussbaum": 
Den Preis erhalten Renate Bleichenbach (Autorin), Clemens Gersch (Autor) und Matthias Bruhn (Regisseur). Westdeutscher Rundfunk 2025, Verantwortliche Redakteure: Nils Wohlfarth und Jens Opatz. 

Der dokumentarischen Trickfilm "Die Sendung mit der Maus – "Felix Nussbaum".

Begründung der Jury:
Stolpersteine gehören zum Stadtalltag, doch kaum jemand erfährt die Geschichte dahinter. Die "Sendung mit der Maus"-Spezialausgabe über den jüdischen Künstler Felix Nussbaum pflegt deshalb Erinnerungskultur in einer Zeit, da Teile der Gesellschaft das Kapitel Nationalsozialismus ausblenden möchten. Renate Bleichenbach und Clemens Gersch schildern Nussbaums Leben respektvoll, verständlich und erzählerisch stark. Höhepunkt ist die Rekonstruktion des verschollenen Drehbuchs "Pit und Peggs Traumreise" durch Studio Lutterbeck und Matthias Bruhn. So wird Nussbaum nicht nur als Opfer, sondern als schöpferische Persönlichkeit greifbar. Ein Musterbeispiel gelungener Geschichtsvermittlung.

Animation-Trickserie "Lenas Hof":
Den Preis erhalten Simon Thummet (Autor) und Elena Walf (Autorin).
Zweites Deutsches Fernsehen 2025, Redaktion: Kinder und Jugend, Verantwortlicher Redakteur: Ingo Weis.

Begründung der Jury: In nur knapp sechs Minuten pro Folge gelingt es Regisseurin Elena Walf und Koautor Simon Thummet, große Fragen zu erzählen. "Lenas Hof" zeigt auf herzerwärmende Weise, wie leicht es im Grunde ist, Freundschaften zu pflegen, Gemeinschaft zu stärken, Verantwortung zu übernehmen und ganz im Sinne von Robert Geisendörfer solidarisches Engagement ohne Eigennutz zu leben. Die kurzen, wortlosen Episoden sind thematisch dicht, unterhaltsam und voller Empathie, ohne je didaktisch zu wirken. Originelle Bildsprache und der sorgfältige Einsatz klassischer Musik verleihen der Serie einen unverwechselbaren Ton. Ein Musterbeispiel für Familienfernsehen.

Sonderpreis der Jury 2026 für Isabel Schayani

Den Sonderpreis der Jury des Robert Geisendörfer Preises 2026 erhält die WDR-Journalistin Isabel Schayani. Die Jury würdigt damit ihre außergewöhnlichen publizistischen Leistungen. Die Laudatio hält Torsten Körner, Fernsehkritiker, Journalist, Dokumentarfilmer und Autor.

Begründung der Jury:
"Isabel Schayani berichtet mit großer Empathie, journalistischer Klarheit und analytischer Schärfe über Flucht, Migration und gesellschaftliche Konflikte, ohne zu emotionalisieren oder sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Sie macht Missstände sichtbar, ordnet komplexe Zusammenhänge ein, benennt Versäumnisse und engagiert sich mit Projekten wie WDRforyou weit über ihre Berichterstattung hinaus für gelingende Integration.

Sie wirft einen differenzierten Blick auf die Lebensrealität von Migrantinnen und Migranten, leistet damit einen herausragenden Beitrag zu Aufklärung und Verständigung und gibt im Sinne von Robert Geisendörfer den Stimmlosen eine Stimme."

Moderiert wird die Verleihung des Robert Geisendörfer Preises vom Jo Schück, Fernsehjournalist und Moderator. An dem Wettbewerb beteiligen sich jährlich öffentlich-rechtliche und private Rundfunkveranstalter sowie Verantwortliche und Kreative von Onlineformaten. Ausgezeichnet werden Hörfunk-, Fernseh- und Onlineformate aus allen Programmsparten, die das persönliche und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken, zum guten Miteinander von Einzelnen, Gruppen, Völkern und zur gegenseitigen Achtung der Geschlechter beitragen. Die Preise sind jeweils mit 5000 Euro dotiert, der Sonderpreis ist undotiert. Die Preisverleihung und das Symposium erfolgen mit freundlicher Unterstützung des Versicherers im Raum der Kirchen (VRK). 

Erstmals fand vor der Preisverleihung in diesem Jahr ein Symposium statt. Zum Thema "Im Zweifel relevant! Eine Standortbestimmung evangelischer Publizistik in Krisenzeiten" sprachen Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Isabel Schayani, Prof. Dr. Florian Höhne und Dr. Stefanie Schardien. 

Der Geisendörfer Preis wird seit 1983 jährlich im Gedenken an den evangelischen Pfarrer und Publizisten Robert Geisendörfer (1910-1976) verliehen. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert.