Winnenden (epd). Das Überleben von Notfallpatienten in Deutschland hängt nach Ansicht der Björn Steiger Stiftung massiv vom Wohnort ab. Grund dafür seien zersplitterte Strukturen, fehlende einheitliche Standards und veraltete Abläufe im Rettungssystem, kritisiert die Stiftung in einer am Donnerstag in Winnenden veröffentlichten Dokumentation „Notfall Deutschland“. Im internationalen Vergleich hinke die Bundesrepublik hinterher: Während Deutschland sich rund 240 Leitstellen und 300 Rettungsdienstbereiche unter 16 Landesgesetzen leiste, kämen Länder wie die Niederlande mit 10 oder England mit 11 Leitstellen aus.
Die Dokumentation zeigt gravierende Schwachstellen in der Rettungskette auf. So werde der nächstgelegene Rettungswagen bei Einsätzen oft nicht alarmiert, wenn er zu einem anderen Zuständigkeitsbereich gehöre. Zudem entschieden regionale ärztliche Leiter individuell darüber, welche Medikamente oder medizinischen Maßnahmen Notfallsanitäter anwenden dürften, was zu großen Qualitätsunterschieden führe. Auch veraltete Kommunikationswege wie Papier und Fax bei der Patientenübergabe an Krankenhäuser sowie Fehlanreize im Vergütungssystem - bezahlt werde oft nur der Transport, nicht die medizinische Versorgung vor Ort - bremsten eine effiziente Hilfe aus.
„Jedes Jahr sterben Menschen, weil unser Rettungssystem unterschiedlich funktioniert“
Der frühere Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio verweist in dem Film auf die Schutzpflicht des Staates für Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Stiftung fordert verbindliche Standards und eine Neuordnung der Strukturen. „Jedes Jahr sterben Menschen, weil unser Rettungssystem je nach Wohnort unterschiedlich funktioniert“, erklärte Stiftungspräsident Pierre-Enric Steiger. Die Björn Steiger Stiftung setzt sich seit ihrer Gründung 1969 für Reformen im Notfallwesen ein und hat unter anderem die Einführung der bundesweiten Notrufnummern 110 und 112 initiiert.




