Nürnberg (epd). Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva Welskop-Deffaa, spricht sich gegen einen staatlich organisierten einheitlichen Gesellschaftsdienst und gegen eine Dienstpflicht aus. „Die Haltung, dass der Staat alle Probleme regeln und dass auf zivilgesellschaftliche Verantwortung verzichtet werden kann, ist der Anfang vom Ende der Demokratie“, sagte Welskop-Deffaa am Mittwoch in Nürnberg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Stattdessen sollte nach ihren Worten die Vielfalt von Freiwilligendiensten wachsen.
Gerade für die von Krisen und Ängsten geprägte junge Generation seien die Angebote der Freiwilligendienste ein wichtiges Lernfeld und ein „sehr, sehr wertvolles Ermächtigungsangebot“, betonte die Verbandspräsidentin. Der Bund müsse deshalb die Einsatzstellen der gemeinnützigen Träger zuverlässig refinanzieren, anstatt wie in den vergangenen zehn Jahren durch ein ständiges Hin und Her bei den Haushaltsmitteln Plätze zu gefährden.
Höheres Freiwilligengeld und Ticket gefordert
Um Freiwilligendienste attraktiver zu machen, forderte Welskop-Deffaa zum Beispiel ein höheres Freiwilligengeld für alle Dienste. Zudem brauche es eine Übernahme von Fahrtkosten wie dem Deutschlandticket sowie die Anrechnung der Dienstzeiten auf spätere Ausbildungen oder Wartezeiten für Studienplätze.
Die Caritas-Präsidentin warnte vor Ideen eines vorrangig staatlich organisierten Gesellschaftsdienstes. Es wäre fatal, wenn so ein Dienst gegenüber den bestehenden Jugendfreiwilligendiensten bevorzugt würde. In den bestehenden Formaten stecke der direkte Zugang zu zivilgesellschaftlichen Organisationen, auf deren Engagement eine freiheitliche Gesellschaft angewiesen sei. Durch bessere Rahmenbedingungen könne die Zahl der jährlich rund 100.000 Freiwilligendienstleistenden sehr leicht verdoppelt werden.
Welskop-Deffaa diskutierte am Mittwoch im Caritas-Seniorenheim St. Nikolaus in Spalt mit aktiven und ehemaligen Freiwilligendienstlern und Bundestagsabgeordneten über die Zukunft der Freiwilligendienste. Hintergrund sind die Pläne von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) für ein neues „Bundes-Gesellschaftsdienstgesetz“. Prien hat das Gesetz für Ende dieses Jahres angekündigt, es soll die Freiwilligendienste neu regeln.




