Kaiserin Sisi: geliebt, aber auch umstritten

Kaiserin Sisi
epd-bild/Emil Rabending
Kaiserin Elisabeth von Österreich (Pressefoto, Aufnahme um 1865) war eine emanzipierte Frau, die sich gegen strenge Konventionen durchsetzte.
Ausstellung in Speyer
Kaiserin Sisi: geliebt, aber auch umstritten
Kaiserin Elisabeth von Österreich war eine emanzipierte Frau, die sich gegen strenge Konventionen durchsetzte. Der als "Sisi" bekannten Monarchin widmet sich ab Dezember eine kulturhistorische Ausstellung in Speyer.

Sie war eine selbstbewusste Frau, die sich viele Freiheiten nahm - und damit auch die Höflinge und ihre Untertanen vor den Kopf stieß. Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-1898) huldigte einem fast manischen Schönheits- und Schlankheitskult: Sie turnte, ritt und versuchte, sich dem auf sie lastenden Druck als Regentin auch durch viele Reisen zu entziehen.

Nun kommt "Sisi", wie die schöne Herrscherin bis heute von ihren Fans liebevoll genannt wird, ab 20. Dezember nach Speyer: Im Historischen Museum der Pfalz ist ihr die Sonderausstellung "Sisi - Unverstanden & Unsterblich" gewidmet. Immer wieder nimmt das Speyerer Museumsteam große und "unsterbliche" Frauenfiguren der Kulturgeschichte in den Blick: Die ägyptische Pharaonin Kleopatra war vergangenes Jahr da, die Schauspielerin Marilyn Monroe machte eine Stippvisite vor der Corona-Krise.

Nun kommt "Sisi", die in ihrer Regierungszeit in den 1880er Jahren mindestens zwei Mal in die Domstadt reiste. Sie besuchte damals Gottesdienste im Dom und betete am Grab ihres früheren Religionslehrers Bischof Bonifaz von Haneberg.

Romy Schneider prägte "Sisi"-Bild

Schon lange habe man die Monarchin, um die sich viele Mythen ranken, auf der Liste geplanter Ausstellungen gehabt, sagt Museumsdirektorin Simone Heimann. Geprägt seien die Vorstellungen, die sich viele Menschen von "Sisi" machten, vor allem durch die romantische Spielfilm-Trilogie aus den 1950er Jahren: Romy Schneider als Kaiserin Elisabeth und Karlheinz Böhm als ihr Gemahl Kaiser Franz Joseph I. gaben das märchenhafte Herrscherpaar.

Die Wirklichkeit hingegen sah anders aus: Die aus dem Adelsgeschlecht der bayerischen Wittelsbacher stammende Elisabeth, die mit nur 16 Jahren heiratete, war unzufrieden mit ihrer Rolle als Kaiserin und Landesmutter - und wohl auch mit ihrer Ehe, wenn man ihr nachgesagten Affären Glauben schenkt. Schicksalsschläge, wie der frühe Tod ihrer Tochter Sophie und der Suizid ihres Sohnes, des Kronprinzen Rudolf, verstärkten ihre Depressionen.

Ausstellung bis Juni 2027

"Wir wollen ein möglichst differenziertes Bild von 'Sisi' bieten", gibt Museumsdirektorin Heimann als Ziel für die Ausstellung vor, die bis 20. Juni 2027 dauern soll. Ein bisher kaum beachteter Aspekt werde die tiefe Zuneigung der Kaiserin zu Ungarn sein, über das sie auch als Königin herrschte. Vielen Österreicherinnen und Österreichern habe die auch Gedichte schreibende "Sisi" als selbstbezogen und unnahbar gegolten, sagt Ausstellungskuratorin Sabine Kaufmann. Das strenge Wiener Hofzeremoniell war ihr verhasst.

Anspruch der Speyerer Ausstellung sei es auch, das Leben "Sisis" vor dem Hintergrund politischer Umwälzungen des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn am Ende des 19. Jahrhunderts zu beleuchten, machen Heimann und Kaufmann deutlich. Rund 200 Objekte aus Museen in Deutschland, Österreich, Ungarn und der Schweiz sowie aus Privatbesitz sollen gezeigt werden. Darunter sind Kleidungsstücke wie ein pelzbesetztes Reitkleid, eine Rekonstruktion des ungarischen Krönungskleides und Turnschuhe der Kaiserin sowie Gemälde, Briefe und Fotografien.

Auch Kinder haben die Möglichkeit, "Sisi" und ihre Zeit mit Angeboten des Jungen Museums (JUMUS) für sich zu entdecken: Mädchen und Jungen können sich verkleiden und an einer Medienstation mit dem Titel "Frag Sisi" mit der Kaiserin telefonieren. In Kurzvideos wird "Sisi", die 1898 im Alter von 60 Jahren einem Attentat zum Opfer fiel, als Influencerin vorgestellt.