Bischöfin Bammel fordert mehr Begegnung im gesellschaftlichen Streit

Bischöfin Bammel fordert mehr Begegnung im gesellschaftlichen Streit
Die braunschweigische Landesbischöfin Christina-Maria Bammel warnt vor zunehmender Gefühllosigkeit in der Gesellschaft. Im Umgang mit AfD-Wählern setzt sie auf Zuhören und das Schaffen gemeinsamer Räume.
24.09.2026
epd
epd-Gespräch: Charlotte Morgenthal

Wolfenbüttel (epd). Die braunschweigische Landesbischöfin Christina-Maria Bammel fordert neue Wege im gesellschaftlichen Dialog und warnt vor einer wachsenden Verrohung. „Das Schlimmste wäre, aufzuhören miteinander zu sprechen“, sagte die evangelische Theologin in Wolfenbüttel dem Evangelischen Pressedienst (epd). Kommunikation, gegenseitiges Zuhören und das Schaffen von Begegnungsräumen seien unverzichtbare Schlüssel zur Verständigung.

Sowohl die zunehmende Radikalisierung als auch weniger direkte Gespräch seien gefährliche Tendenzen und ein Zeichen für Verhärtungen im Miteinander, sagte Bammel. Sichtbar werde dies in wachsenden Ressentiments, Gefühllosigkeit und schwindender Empathie und auch daran, dass Menschen, die Hass und Hetze verbreiten, kein Einhalt geboten wird. „Es treibt mich um, dass wir die Anzeichen seelischer Verarmung möglicherweise nicht rechtzeitig erkannt und gegengesteuert haben.“

Dialog statt Belehrung

Im Gespräch mit Befürwortern der AfD hält Bammel belehrende Töne für ungeeignet. „Argumente verpuffen manchmal, sie kommen gar nicht an“, beobachte sie. Es gehe nicht darum, Recht zu haben oder irgendeine kirchliche Überheblichkeit zu zeigen, sondern durch aufmerksames Nachfragen persönliche Themen aufzugreifen und hergestellte Zusammenhänge aufzulösen. Ziel müsse sein, sich im nachbarschaftlichen Alltag nicht auseinandertreiben zu lassen.

Ein stabiles gesellschaftliches Miteinander lässt sich nach Ansicht der Theologin nicht allein über Worte verordnen. Vertrauen könne nur miteinander tastend im gegenseitigen Zeigen errungen werden, wenn Menschen nach Zugehörigkeit und Fairness suchten. Zugleich äußerte Bammel Sorge um Minderheiten, Zugewanderte sowie Menschen, die auf Beratungsangebote und diakonische Pflege angewiesen sind.

Zudem warnte die Bischöfin davor, die politische Auseinandersetzung über die AfD auf einen Ost-West-Konflikt zu verengen. Dies halte sie für eine hochproblematische Konstellation, da Bundesländergrenzen nicht genutzt werden dürften, um einander schlechtzureden. Angesichts des russischen Angriffskriegs, der Klimakrise und tiefgreifender Umbrüche müssten vielmehr die gemeinsamen europäischen Aufgaben bewältigt werden.