Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen sieht die Zukunft des Journalismus eher im Moderieren als im Zuspitzen. Der klassische Journalismus wisse zu wenig von Kommunikationspsychologie, sagte Pörksen bei einer Diskussion am Mittwoch in Mainz. Auf den großen Tech-Plattformen werde nur zugespitzt. Pörksen empfahl, Journalismus sollte mehr darauf achten, gute Gespräche zu führen.
Der Forscher erläuterte, es gehe um die richtige Balance zwischen kritischer Zuspitzung und Empathie. Der Journalismus der Zukunft werde "transparent und dialogisch" sein oder er werde nicht mehr sein. Eine neuer Pakt zwischen Journalismus und seinem Publikum sei nötig.
Pörksen äußerte die Einschätzung, der "unabhängige seriöse Journalismus" könne sich in der von den großen Plattformen beherrschten Ökonomie nicht mehr aus eigener Kraft retten. Dies kann nach seinen Worten nur durch ein gemeinsames, breites Bündnis unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure gelingen.
Schayani: Medienunternehmen sollten ihre Freiheit nutzen
Die WDR-Journalistin Isabel Schayani kündigte an, als Journalistin werde sie immer kritische Fragen stellen. Die Medienunternehmen in Deutschland beschrieb sie als sehr verunsichert. Sie müssten sich wieder ihres eigenen Wertes und der Freiheiten, die sie hätten, bewusst werden und sie nutzen. Andere Gesellschaften beneideten Deutschland um die Pressefreiheit, die es hier gebe.
Die Geschäftsführerin des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), Stefanie Schardien, sagte, der Vertrauensverlust treffe Medien und Kirchen gleichermaßen. Die evangelische Publizistik habe ein christliches Wertesystem, an dem sie sich orientieren könne. "Wir können den Leuten einen anderen Deutungshorizont anbieten", sagte sie. In Krisenzeiten würden sich viele Menschen der Kirche zuwenden, weil sie ihr zutrauten, Krisen bewältigen zu können. Die evangelische Publizistik werde zwar von der Kirche bezahlt, setze sich aber auch kritisch mit der Institution Kirche auseinander.
Höhne: Gute Finanzierung für guten Journalismus
Florian Höhne, Professor für Medienethik an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen, sagte, wichtig sei für christliche Publizistik, dass sie unabhängig sei von der Institution Kirche und dieser gegenüber auch kritisch sei. Hinter professionellem Journalismus stehe Recherche und ein Berufsethos, deswegen müsse guter Journalismus gut finanziert werden.
Pörksen, Schayani, Schardien und Höhne diskutierten bei dem Symposium "Im Zweifel relevant! Eine Standortbestimmung evangelischer Publizistik in Krisenzeiten", das vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik beim ZDF in Mainz veranstaltet wurde. Die Diskussion fand vor der Verleihung des Robert Geisendörfer Preises am Mittwochabend statt.




