Jugendpfarrer zu AfD: Zivilgesellschaft wird nicht tatenlos sein

Jugendpfarrer zu AfD: Zivilgesellschaft wird nicht tatenlos sein
Der Landesjugendpfarrer Peter Herrfurth hat vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ein Demokratiefestival mitorganisiert. Im epd-Gespräch äußert er sich über die ermutigende Kraft von Demonstrationen und fordert ein AfD-Verbot.
11.09.2026
epd
epd-Gespräch: Verena Mauß

Berlin (epd). Der Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Peter Herrfurth, glaubt an die Wirkung von zivilem Engagement, auch nach dem Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. „Ich bin mir ganz sicher: Die Zivilgesellschaft wird nicht tatenlos sein, sondern sie wird sich einmischen und sich schützend vor Menschen stellen“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Viele Menschen engagierten sich bereits. „Es ist vorher klar gewesen, es endet nicht am 6. September mit der Wahl des Landtags“, sagte Herrfurth.

Beim Demokratiefestival des Bündnisses „Sachsen-Anhalt. Weltoffen!“ am Samstag vor der Wahl hat Herrfurth als Mitorganisator nach eigenen Worten erlebt, wie „empowernd“ es sein kann, mit mehr als 15.000 Menschen die Demokratie zu feiern. „Wir sind das bunte Gesicht aus Sachsen-Anhalt, das in die Welt gesendet wurde“, sagte er. Menschen aus mehr als 300 Organisationen und Bündnissen seien für den Erhalt von Weltoffenheit gemeinsam auf die Straße gegangen. Er habe große Hoffnung, dass das gemeinsame Bündnis weiterhin laut und sichtbar sein werde.

Forderung nach AfD-Verbot

Zur Partei selbst sagte Herrfurth: „Die AfD hätte längst verboten werden müssen.“ Dadurch, dass sie im Landtag sei, verstärke sie sich selbst. Die AfD normalisiere es, Hass öffentlich zu kommunizieren. Wählerinnen und Wähler der AfD würden teilweise andere Menschen aufgrund ihrer Geschlechtsidentität oder Herkunft ablehnen. „Da hilft es meistens nicht, zu argumentieren, sondern sich kennenzulernen. Dann merkt man: Wir sind verschieden, aber wir sind Menschen“, sagte der Magdeburger Pfarrer.

Es heiße in den Nachrichten, viele AfD-Wähler und -Wählerinnen hätten die AfD aus inhaltlichen Gründen gewählt, sagte der Theologe. „Aber ich sage, die konkreten Inhalte des Wahlprogramms und deren Folgen sind vielen gar nicht bewusst. Viele sind enttäuscht oder wütend auf Entscheidungen der Bundesregierung.“ Etwa erhofften sich Wähler, die AfD werde die Energie- und Benzinpreise senken. Das habe nichts mit der Wahl in Sachsen-Anhalt zu tun, sagte Herrfurth.

Eine christliche Haltung des Widerstands

Er sei als Christ in der DDR von klein auf mit einer Haltung des Widerstands aufgewachsen. Herrfurth war nach eigenen Angaben kein Mitglied der FDJ und verweigerte den Wehrdienst. Er bezieht öffentlich Haltung gegen Rechtsextremismus und Unrecht und er ist regelmäßig präsent im Hörfunk und auf Social Media.