Hamburg (epd). Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, nimmt die Kirche in die Pflicht, den Zusammenhalt in der derzeit polarisierten Gesellschaft zu stärken. „Als Kirche haben wir einen gesellschaftlichen Auftrag, der in diesen Zeiten nötiger ist, denn je“, sagte die Hamburger Bischöfin im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) anlässlich ihres 65. Geburtstags am 12. September.
Dazu gehöre neben dem interreligiösen Dialog auch die Intensivierung der Beziehungen von Kirche zu Wirtschaft und Verbänden. Kirche und Gesellschaft befänden sich derzeit in „riesigen Transformationsprozessen“. Es brauche eine gewisse Unerschrockenheit, um diese Veränderungen anzugehen. Angesichts der zunehmenden rechtsextremen Kräfte in Deutschland müsse Kirche Haltung bewahren und die gesellschaftlichen Grundwerte vertreten. „Wir dürfen nicht müde werden, in den Dialog mit Menschen zu treten, die eine hohe Unzufriedenheit spüren.“
„Leid ist nicht die ganze Wahrheit“
Kirche sei verantwortlich für ein Gemeinwesen, in dem nie nur der Blick auf sich selbst zähle, sondern auch auf den Nächsten. „Deshalb stehen wir, wie so viele andere Institutionen, unter enormem Druck. Weil wir uns solidarisch mit den Schwächsten unserer Gesellschaft zeigen, werden wir als naiv beschimpft, wenn nicht sogar schlimmer“, sagte Fehrs. Es sei Aufgabe von Kirchengemeinden, Diakonie und auch ihr als Bischöfin, dennoch nicht nachzulassen.
Um hoffnungsvoll zu bleiben, rät sie dazu, den Unzufriedenen nicht ständig eine Bühne zu geben. Stattdessen solle man auch mal „eine andere Brille“ aufsetzen und sich auf das fokussieren, was dank vieler engagierter Menschen im Land gut gelinge. „Das heißt nicht, dass wir das Leid etwa durch Kriege und Krisen ausblenden. Aber dieses Leid ist eben nicht die ganze Wahrheit“, findet die Bischöfin.



