UN-Wetterorganisation warnt vor zunehmenden Gefahren durch El Niño

UN-Wetterorganisation warnt vor zunehmenden Gefahren durch El Niño
Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen: Das weltweite Wetter dürfte laut Prognosen der UN noch unangenehmer werden. Ursache ist das Phänomen El Niño.
03.09.2026
epd
Von Jan Dirk Herbermann und Susanne Rochholz

Genf (epd). Das Wetterphänomen El Niño wird sich laut den Vereinten Nationen in den kommenden Monaten erheblich verstärken. Damit drohten zusätzliche Gefahren, warnte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am Donnerstag in Genf. Zu erwarten seien weitere Überschwemmungen, Dürren und extreme Hitze. Auch der Klimaforscher Anders Levermann bestätigte, bezeichnet das aktuelle El-Niño-Phänomen als „sehr, sehr stark“.

WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo sagte: „Wir erleben bereits jetzt die verheerenden Auswirkungen von Dürren und Überschwemmungen und gehen davon aus, dass diese Folgen mit dem El-Niño-Phänomen noch stärker werden.“ Prognosen der WMO deuten demnach auf eine „außergewöhnlich hohe Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 Prozent“ hin, dass El Niño bis Februar 2027 anhalten werde. Angetrieben werde das Phänomen durch außergewöhnlich warme Meeresbedingungen im tropischen Pazifik.

Dauer „bis weit ins Jahr 2027“ hinein

Die WMO erwartet nach eigenem Bekunden, dass sich El Niño in den kommenden Monaten sehr verstärken wird, bevor er gegen Ende dieses Jahres seinen Höhepunkt erreicht. Die klimatischen Auswirkungen werden demnach bis weit ins Jahr 2027 hineinreichen.

„El Niño nimmt vor unseren Augen immer größere Ausmaße an“, erklärte UN-Generalsekretär António Guterres. Die Wissenschaft lasse keinen Zweifel zu. Die Welt befinde sich in der Gefahrenzone extremer Wetterereignisse. Er verlangte Schutzmaßnahmen für die Menschen.

El Niño ist ein Wetterphänomen, das auf eine Erwärmung des Ozeans im Süden und Osten des Pazifiks zurückgeht. Dadurch verändern sich Wasser- und Luftströmungen, was in vielen Teilen der Welt Auswirkungen auf Wetter und Klima hat. Sowohl Temperaturen als auch Niederschlagsmuster ändern sich, es kommt etwa zu mehr Extremwettern wie Dürre oder starken Regenfällen.

Forscher: El Niño verstärkt Schwankungen

Der Klimaforscher Anders Levermann erklärte am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“, El Niño verstärke Schwankungen: Es könne kalt, heiß, trocken oder sehr nass werden, und das alles „plötzlich“. Zwischen starkem Niederschlag und Dürre liege „manches Mal nur ein ganz schmaler Grat“, sagte der Professor für die Dynamik des Klimasystems am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

El Niño sei zwar ein natürliches Wetterphänomen, komme aber „obendrauf“ und werde durch die Erderwärmung heftiger, weil mehr Energie ins System gelange. Mit der globalen Erwärmung pumpe die Menschheit „wahnsinnig viel“ Energie in die Ozeane, auch in tiefe Schichten: Bei El Niño komme diese Energie „wieder hoch und dadurch wird es nochmal extra schlimm“, erklärte Levermann.

„Unbedingt CO2 reduzieren“, lautete sein Rat an Politik und Gesellschaft. Der Wissenschaftler plädierte dafür, die Energiewende zu schaffen und sich an das heißere Klima anzupassen. Konkret empfahl er, Lieferketten zu diversifizieren, Wohnhäuser zu dämmen und sogenannte Schwammstädte zu bauen, die in Zeiten reichlichen Niederschlags Wasser für Dürrezeiten speicherten.