Berlin (epd). Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sind im ersten Halbjahr 2026 einem Bericht zufolge deutlich langsamer gesunken, als zum Erreichen der gesetzlich verankerten Klimaziele nötig wäre. Wie die Denkfabrik Agora Energiewende am Freitag auf Basis vorläufiger Schätzungen mitteilte, sanken die Emissionen seit Jahresbeginn lediglich um sieben Millionen Tonnen des sogenannten CO2-Äquivalents auf insgesamt 327 Millionen Tonnen. Sollten sich die Emissionen in diesem Tempo weiterentwickeln, werde die Bundesrepublik 2026 erstmals ihr gesetzliches Klimaziel verfehlen, prognostizierte die Organisation.
Laut Klimaschutzgesetz ist Deutschlands Emissionshöchstgrenze für das gesamte Jahr 2026 auf 625 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent festgesetzt, um das Klimaziel einer jährlichen Einsparung von 40 Millionen Tonnen CO2 bis 2030 zu erreichen. CO2-Äquivalent ist eine Maßeinheit, um die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase miteinander vergleichen zu können.
Elektrifizierung kommt nicht schnell genug voran
Dem Bericht zufolge hatten steigende Absatzzahlen von Wärmepumpen und E-Autos zwar positive Auswirkungen auf die deutsche Klimabilanz. Insgesamt schreite die Elektrifizierung jedoch nicht schnell genug voran, um die Klimaziele zu erreichen, warnte die Denkfabrik. Haupttreiber der sinkenden Emissionen seien die hohen Energiepreise infolge der Blockade der Straße von Hormus gewesen. „Das erste Halbjahr 2026 steht deutlich im Zeichen der fossilen Energiepreiskrise: Erneut wird die deutsche Wirtschaft schmerzhaft von fossilen Preisschocks getroffen“, erklärte Agora-Direktorin Julia Bläsius.
Von der Bundesregierung forderte die Denkfabrik „Planungssicherheit für klimafreundliche Investitionen“, eine krisensichere Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen und „Preissignale in Richtung Transformation“. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Sommerpause hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am vergangenen Wochenende im Hürtgenwald angekündigt, er werde alles tun, um den Klimawandel einzudämmen.



