Studie: Debatte über Sozialreformen dämpfen Konsum

Studie: Debatte über Sozialreformen dämpfen Konsum
Die derzeit geführte Debatte um Sozialreformen verunsichert laut einer Studie der Böckler-Stiftung mehr als 80 Prozent der Deutschen. Als Folge schränkten die Menschen ihre Konsumausgaben ein, zudem belaste das Thema das Vertrauen in die Regierung.

Düsseldorf (epd). Die Debatte über Sozialreformen etwa bei Rente und Gesundheit verunsichert laut einer Studie die große Mehrheit der Menschen in Deutschland. Rund 81 Prozent machten sich demnach einige oder sogar große Sorgen um ihre finanzielle Absicherung, wie eine am Freitag in Düsseldorf vorgelegte Umfrage des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ergab. Als Konsequenz schränkten rund 42 Prozent ihre Konsumausgaben ein, was der Konjunktur in Deutschland wichtige Impulse entziehe. Zudem belaste die Debatte das Vertrauen der Menschen in die Regierung.

Laut der Studie lehnten gut Dreiviertel der Befragten (76 Prozent) - über alle Parteigrenzen hinweg - die Maßnahmen ab. „Dies deutet darauf hin, dass die Bevölkerung dem bestehenden Niveau der sozialen Absicherung einen hohen Stellenwert beimisst“, schreiben die Studienautoren. Lediglich 16 Prozent der Befragten stimmten den geplanten Reformen „stark“ oder „eher“ zu.

Online-Umfrage unter 4.000 Menschen

Für die repräsentative Untersuchung wurden im Juni und Juli rund 4.000 Personen zwischen 18 und 75 Jahren online befragt. Sie sollten sich zu vier geplanten Reformmaßnahmen äußern: höheres Renteneintrittsalter, Leistungskürzungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung, Leistungskürzungen bei der Pflegeversicherung und Streichen der Entgeltfortzahlung ab dem ersten Krankheitstag.

Die Autoren sehen in der aktuellen Debatte über Reformen des Sozialstaats ein „Wachstumsrisiko für die deutsche Wirtschaft“. Sie verwiesen zur Begründung auf das Einschränken der Konsumausgaben. „Hält die Unsicherheit über einen möglichen Abbau des Sozialstaats an, könnte dies Haushalte dazu veranlassen, ihre Ausgaben auch künftig vorsichtiger zu planen, um privat vorzusorgen“, erklärten die IMK-Forscher.