Steinmeier: Games sind relevant für Demokratie

Steinmeier: Games sind relevant für Demokratie
Erstmals besucht ein Bundespräsident die weltweit größte Computer- und Videospielmesse: Frank-Walter Steinmeier hat den Gamescom Congress in Köln eröffnet.
27.08.2026
epd
Von Marc Patzwald (epd)

Köln (epd). Computer- und Videospiele sind nach den Worten von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für die Demokratie von Bedeutung. Wer sich spielerisch in andere Lebensrealitäten einfühle und dabei eine breite Palette sozialer oder ethischer Fragen reflektiere, denke vielleicht auch über Werte und die Bedeutung von Regeln sowie Fairplay für das Miteinander nach, sagte er am Donnerstag zur Eröffnung des Gamescom Congress in Köln. Steinmeier besuchte als erstes deutsches Staatsoberhaupt die weltgrößte Computer- und Videospielmesse und den eintägigen Kongress.

„In ihrer Gesamtheit sind digitale Spiele kulturrelevant - und damit, das halte ich für entscheidend, auch relevant natürlich für Demokratie. Das gilt im Guten wie im Schlechten“, sagte Steinmeier und betonte: „Games sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Allein in Deutschland spielten mehr als 40 Millionen Menschen.

Das positive, kreative und Gemeinschaft stiftende Potenzial von Videospielen stehe heute stärker im Fokus als vor einigen Jahren, betonte der Bundespräsident. Er riet dazu, die negative Seiten wie Gaming-Sucht nicht aus dem Blick zu nehmen.

Branchenverband: AfD nicht willkommen

Der Geschäftsführer des Branchenverbands „Game“, Felix Falk, erklärte, dass es in diesem Jahr bei der Gamescom und dem zugehörigen Kongress darum gehe, was der E-Sport-Markt für die Demokratie leisten könne. „Games sind kein Zuschauersport und Demokratie ist es auch nicht“, sagte er. Während in Filmen, Büchern oder im Theater jemand anderes eine Entscheidung treffe, sei man es in Videospielen selbst. Die Branche trete für einen freiheitlich demokratischen Rechtsstaat und eine offene Gesellschaft ein. Deswegen sei die AfD auch kein Partner der Gamescom und auch nicht willkommen, sagte er unter Applaus.

Der Chef der NRW-Staatskanzlei, Nathanael Liminski (CDU), sagte: „Gamer sind nicht nur Gamer.“ Sie repräsentierten alle gesellschaftlichen Schichten, Berufsgruppen und politische Überzeugungen. Im E-Sport würden wie im regulären Sport Fairness, Teamgedanke und Inklusion gelebt. Liminski unterstrich, dass ein Teil derjenigen, die in digitalen Räumen aktiv seien, auch auf der Straße oder Parteien ihr Engagement für die Demokratie zeigen sollten: „Wir müssen raus aus der Komfortzone.“

Potenzial von Videospielen in Erinnerungsarbeit

Die Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Spielekultur, Nandita Wegehaupt, sagte, dass die Gesellschaft noch die Gruppe der Gamerinnen und Gamer sowie das Potenzial von Videospielen für die Demokratie unterschätze. Sie nannte das Beispiel Erinnerungskultur. Die Stiftung arbeite seit vielen Jahren mit Gedenkstätten zusammen. Da die Zeitzeugen weniger würden, könnten Spiele ermöglichen, sich mit der Situation und moralischen Dilemmata auseinanderzusetzen sowie Entscheidungen zu treffen.

Der eintägige Gamescom Congress findet parallel zur bis Sonntag laufenden, weltweit größten Computer- und Videospielmesse Gamescom statt.