Haiti: Menschenrechtler gibt Behörden Mitschuld an Massaker

Haiti: Menschenrechtler gibt Behörden Mitschuld an Massaker
Bei einem Angriff von Banden Anfang der Woche wurden in Haiti mehr als 40 Menschen getötet. Das habe auch wegen einer geringen Präsenz von Sicherheitskräften geschehen können, kritisiert ein Menschenrechts-Netzwerk.

Frankfurt a.M., Port-au-Prince (epd). Nach einem Angriff krimineller Banden mit mehr als 40 Toten in Haiti werfen Menschenrechtler den Behörden Untätigkeit vor. Trotz Drohungen der Banden in den sozialen Netzwerken, die Innenstadt von Kenscoff anzugreifen, seien die Sicherheitskräfte kaum präsent gewesen, kritisierte der Leiter des „Nationalen Netzwerks für die Menschenrechte“ (RNDDHI), Pierre Espérance, am Mittwoch (Ortszeit) im Radiosender Magik9. Die einzigen gepanzerten Fahrzeuge in der Stadt seien für den Schutz von Regierungsmitgliedern im Einsatz gewesen. „Die Behörden tragen eine Mitverantwortung für die Ereignisse.“

In der Nacht von Sonntag auf Montag waren bei einem Angriff auf die Gemeinde Kenscoff, südöstlich der Hauptstadt Port-au-Prince, nach UN-Angaben mindestens 47 Menschen getötet worden. Der Verwaltungsleiter der Gemeinde, Massilon Jean, sprach von einem „regelrechten Massaker“. Esperánce zufolge wurden zudem Bewohner verschleppt und werden nach wie vor festgehalten. Der Menschenrechtler warf dem Führungsstab der Polizei Versagen vor. Einige Verantwortliche unternähmen nur geringe Anstrengungen, um der Lage Herr zu werden.

Banden terrorisieren Bevölkerung

Schwer bewaffnete Männer hatten die Gemeinde laut lokalen Medien an zwei verschiedenen Stellen angegriffen und versucht, die Polizeiwache zu stürmen. Die Regierung kündigte daraufhin Verstärkung an. Die Gemeinde Kenscoff liegt am Fuße einer Bergkette, etwa zehn Kilometer südöstlich der Hauptstadt Port-au-Prince, an den Zufahrtswegen nach Pétion-Ville, wo sich mehrere Botschaften und der vorübergehende Regierungssitz befinden.

In Haiti terrorisieren bewaffnete Banden seit Jahren die Bevölkerung. Sie vergewaltigen, entführen, setzen Gebäude in Brand und morden. Nach UN-Angaben wurden im ersten Quartal dieses Jahres mindestens 1.642 Menschen getötet und 745 weitere verletzt. Mehr als ein Drittel der Opfer waren Personen, die keinen Bezug zu Banden hatten, darunter viele Frauen und Kinder.