Statistik: Wohnungsnot im Alter nimmt zu

Statistik: Wohnungsnot im Alter nimmt zu
Ältere Menschen haben es oft besonders schwer, aus der Wohnungslosigkeit zu kommen. Das hat strukturelle Gründe. Ein neuer Statistikbericht liefert aktuelle Daten. Auch die geplante Kürzung des Wohngeldes gerät in den Fokus.

Berlin (epd). Immer mehr ältere Menschen sind nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) auf Unterstützung in Wohnungsnotfällen angewiesen. „Gleichzeitig bleiben sie häufiger über lange Zeit wohnungslos und sind stärker von gesundheitlichen Belastungen sowie sozialer Isolation betroffen“, teilte die Bundesarbeitsgemeinschaft am Mittwoch in Berlin mit. Die BAG W fordert deshalb den Ausbau präventiver Hilfen sowie mehr bezahlbaren und altersgerechten Wohnraum. Der Paritätische und die Linkspartei rügen die geplante Kürzung des Wohngeldes.

Die BAG W verwies auf neue statistische Daten, in deren Mittelpunkt erstmals die Lebenslage älterer Menschen in Wohnungsnot liegt. Der auffälligste Befund sei, dass der Anteil der über 50-Jährigen in den zurückliegenden 20 Jahren kontinuierlich gestiegen sei, von 21 Prozent im Jahr 2004 auf nun 27 Prozent. In der Wohnungsnotfallhilfe gelten Menschen bereits ab 50 Jahren als ältere Klienten und Klientinnen.

Länger anhaltende Wohnungslosigkeit

Den Angaben zufolge finden ältere Menschen, die bereits wohnungslos sind, deutlich seltener aus der Wohnungslosigkeit heraus: 38 Prozent der über 50-jährigen Betroffenen seien seit mehr als einem Jahr wohnungslos, bei den 25- bis 49-Jährigen liege dieser Anteil bei 27 Prozent. Für den Bericht für das Jahr 2024 wurden Daten von mehr als 45.000 Klienten aus 248 Einrichtungen und Diensten der freien Träger ausgewertet.

„Wohnungslose ältere Menschen stehen vor systematischen Hürden auf dem Weg zurück in die eigene Wohnung“, erklärte Sarah Lotties, Fachreferentin der BAG W für den Statistikbericht. „Arbeitslosigkeit oder eine kleine Rente, gesundheitliche Einschränkungen, Schulden, aber auch fehlende digitale Teilhabe sind einige Beispiele.“ Wer im Alter die Wohnung verliere, habe so schlechtere Chancen, wieder dauerhaft Wohnraum zu finden.

Paritätischer sieht „Alarmsignal“

Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, sagte, die steigende Wohnungslosigkeit von Seniorinnen und Senioren sei ein Alarmsignal. Ausgerechnet jetzt wolle die Bundesregierung das Wohngeld kürzen. „Für Menschen, die ohnehin kaum noch über die Runden kommen, wird das zur echten Bedrohung.“ Gerade ältere Menschen seien in erhöhtem Maß auf Grundsicherung und Wohngeld angewiesen, weil kleine Renten mit steigenden Mieten und Wohnungskosten nicht mithalten könnten. Er forderte die Bundesregierung auf, „den Betroffenen schnell Sicherheit zu geben und die geplanten Kürzungen zurückzunehmen“.

Ähnlich äußerte sich auch die Linke. Es sei die direkte Folge einer verfehlten Wohnungs- und Rentenpolitik, dass die Wohnungsnot im Alter steigt. Sahra Mirow, Sprecherin für soziales Wohnen der Linken-Fraktion im Bundestag, sagte, für Hunderttausende Senioren sei das Wohngeld die letzte Rettung gegen die Zwangsräumung. Dass die Koalition hier drastische Kürzungen plane, sei ein „sozialpolitisches Totalversagen“. Um diese Entwicklung zu stoppen, brauche es einen bundesweiten Mietendeckel. „Das würde die Mietkosten für alle Haushalte senken und dadurch auch die Kosten für das Wohngeld“, sagte Mirow.