Erfurt (epd). Thüringen hat 2025 so viele antisemitische Vorfälle wie nie zuvor registriert. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) Thüringen dokumentierte im vergangenen Jahr insgesamt 418 Vorfälle, wie deren Leiter Timo Galki bei der Vorstellung des Jahresberichts am Mittwoch in Erfurt sagte. Das bedeute einen weiteren Anstieg um 26 Fälle gegenüber 2024.
Mit 350 Fällen entfiel der größte Teil laut Galki auf verletzendes Verhalten wie antisemitische Äußerungen, Schmierereien oder Aufkleber. Hinzu seien 45 gezielte Sachbeschädigungen, zehn Bedrohungen, neun Massenzuschriften und vier Angriffe gekommen. Fälle extremer Gewalt wurden nach Angaben von Galki wie im Vorjahr nicht registriert.
Jena als Zentrum des israelbezogenen Antisemitismus in Thüringen
Israelbezogener Antisemitismus war dem Bericht zufolge mit 244 Fällen beziehungsweise 58,4 Prozent erneut die häufigste Erscheinungsform. Jena habe sich dabei weiter zu einem Zentrum des israelbezogenen Antisemitismus und des antiisraelischen Aktivismus in Thüringen entwickelt. Insgesamt 103 Vorfälle ordnete Rias einem rechtsextremen Hintergrund zu. Das bedeute einen Anstieg um 10,3 Prozent und damit der stärkste Zuwachs unter den politisch-weltanschaulichen Hintergründen.
Besonders häufig betroffen seien Einrichtungen der Gedenkarbeit gewesen, sagte Galki. Auch im öffentlichen Raum und im Internet habe die Informationsstelle zahlreiche Vorfälle registriert. Die Zahlen zeigten, dass Antisemitismus für Betroffene weit über einzelne Ereignisse hinausreiche und den Alltag sowie die gesellschaftliche Teilhabe beeinträchtigen könne, sagte Galki.



