Klimawandel: Vor allem spezialisierte Insekten-Arten bedroht

Klimawandel: Vor allem spezialisierte Insekten-Arten bedroht
Der Klimawandel bedroht zunehmend auch die Insektenwelt. Alexander Wirth vom interaktiven Internet-Portal "Nabu Naturgucker" erläutert, warum spezialisierte Arten besonders gefährdet sind und was jeder für die Artenvielfalt tun kann.
24.08.2026
epd
epd-Gespräch: Pia Osterloh

Northeim (epd). Der Klimawandel bedroht aus Expertensicht zunehmend auch Insekten. Vor allem die steigenden Temperaturen machen vielen Arten zu schaffen, wie Alexander Wirth, Datenanalyst beim Projekt „Nabu naturgucker“ des Naturschutzbundes, dem Evangelischen Pressedienst (epd) erläuterte. Deshalb wichen einige Arten in Richtung Norden oder in höhere Lagen aus, etwa in die Alpen oder Mittelgebirge. „Doch irgendwann gibt es kein höher mehr, und dann wird es problematisch“, betonte Wirth.

Verlierer der Klimakrise seien vor allem die spezialisierten Arten wie etwa der Rundaugen-Mohrenfalter, deren natürliche Lebensräume ohnehin klein seien. Anders als allgemein angenommen seien mildere Winter für diese Art problematisch, weil sie eine Strategie entwickelt habe, um sich unter Schnee und Eis zu entwickeln. „Wenn der Schnee wegbleibt, können Raupen von Parasiten und Pilzen befallen werden, was zu einer höheren Sterblichkeit führt“, sagte Wirth.

Keine Gefahr durch neue Arten

Doch es gebe auch Gewinner des Klimawandels. Als Beispiele nannte Wirth die Gottesanbeterin, die blaue Holzbiene oder das Taubenschwänzchen. Sie konnten demnach ihre Siedlungsgebiete durch die höheren Temperaturen ausweiten. Keine der neuen Arten sei für den Menschen jedoch gefährlich, sagte Wirth. „Sofern man sich mit dem nötigen Respekt gegenüber den Tieren verhält.“

Sowohl bei den Gewinnern als auch Verlierern sei jedoch kaum zu trennen, welchen Einfluss der Klimawandel habe und mit welchen anderen Störungen der Mensch die Artenvielfalt und die Anzahl der Insekten gefährde. So sei die Trockenlegung von Mooren ein Verlust von Lebensraum, der menschengemacht sei, genauso wie der Einsatz von Pestiziden in der Agrarindustrie oder die großflächige Versiegelung von Flächen.

Folgen sinkender Insektenbestände

Insgesamt seien die Insektenbestände zurückgegangen erläuterte Wirth. Er verwies auf die sogenannte Krefelder Studie aus dem Jahr 2017. Danach ist die Biomasse fliegender Insekten in den 27 Jahren zwischen 1989 und 2016 um mehr als 75 Prozent gesunken. Das hat laut Wirth auch erhebliche Folgen für Menschen. So seien nahezu alle Obst- und einige Gemüsesorten auf Bestäuber angewiesen.

Es brauche vor allem eine Entsiegelung von Flächen und vernetzte Biotope, die sich „ähnlich wie das grüne Band im Osten durch alle Landschaftsstrukturen durchschlängeln“, betonte der Datenanalyst. Zwar lebten die besonders bedrohten Insekten-Arten in schwer erreichbaren Gebieten. Dennoch könne jeder zum Artenschutz beitragen. Gartenbesitzer könnten Blühstreifen säen, den Rasen nicht mähen und einen Teil des Gartens wuchern lassen. So gebe es genug Verstecke und lockeren Boden zum Nisten: „Je unordentlicher der Garten, desto besser für Insekten und ihre Vielfalt.“