Koblenz, Wiesbaden (epd). Die Frauenrechtsorganisation Solwodi geht mit Blick auf die Zahl der Prostituierten in Deutschland von einem großen Dunkelfeld aus. „Die amtliche Anmeldestatistik erfasst ausschließlich diejenigen, die bei den zuständigen Behörden angemeldet sind“, sagte die Vorsitzende Maria Decker am Freitag in Koblenz. Die Gründe der Nichtanmeldung reichen laut Solwodi von Unkenntnis der Pflicht zur Anmeldung bis zu fehlenden Aufenthaltstiteln von Frauen, die aus Ländern außerhalb der Europäischen Union stammen. Einige sähen auch keinen Nutzen in der oft kostenpflichtigen Anmeldung, hieß es. Solwodi schätzt die Zahl der Prostituierten in Deutschland auf 250.000.
Laut Statistischem Bundesamt waren zum Jahresende 2025 rund 32.500 Prostituierte gemeldet und damit 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor der Corona-Pandemie Ende 2019 seien es noch 40.400 angemeldete Prostituierte gewesen, erklärten die Statistiker in Wiesbaden. Mit Blick auf die aktuell bekannten Zahlen seien 74 Prozent (23.900) der gemeldeten Menschen zwischen 21 und 44 Jahren alt. Die meisten ausländischen Prostituierten stammten aus Rumänien (35 Prozent), Bulgarien (11 Prozent) und Spanien (9 Prozent). Das Geschlecht wird bei der Anmeldung nicht erhoben.
Solwodi betont Bedeutung der aufsuchenden Sozialarbeit
„Die hohe Zahl von Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit zeigt, wie wichtig niedrigschwellige und mehrsprachige Beratungsangebote sind“, betonte die Solwodi-Vorsitzende Decker. Sprachbarrieren, fehlende Kenntnisse des deutschen Hilfesystems, finanzielle Abhängigkeiten oder Kontrolle durch andere Personen können der Frauenrechtsorganisation zufolge den Zugang zu Unterstützung erheblich erschweren.
Sozialarbeiterinnen der Fachberatungsstellen suchten Frauen direkt in ihrem Umfeld auf, kämen ins Gespräch und bauten über wiederholte Kontakte Vertrauen auf, hieß es. Sie informierten über Rechte und Hilfsangebote und unterstützten Frauen bei psychosozialen, rechtlichen, gesundheitlichen und sozialen Fragen, erklärte Solwodi.
Die Frauenrechtsorganisation forderte eine ausreichende Finanzierung dieser Stellen. „Allein wir erreichen mit unserer Arbeit jedes Jahr rund 1.000 Frauen in der Prostitution“, betonte Decker. „Diese Arbeit darf nicht von unsicheren Projektfinanzierungen abhängen.“



