Berlin (epd). Das Bundeskanzleramt in Berlin ist am Donnerstag Schauplatz von Demonstrationen für Hitze- und Klimaschutz geworden. Ein breites Bündnis aus Organisationen und die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ forderten dort die Bundesregierung zu Maßnahmen auf. Zuvor hatte das Robert Koch-Institut (RKI) neue Zahlen zu Hitzetoten veröffentlicht: Nach RKI-Schätzungen starben in diesem Jahr bislang rund 11.900 Menschen infolge hoher Temperaturen.
Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer griff diese Zahlen während der „Fridays for Future“-Kundgebung am späten Donnerstagnachmittag vor mehreren Hundert Teilnehmenden auf. Hätte eine andere Katastrophe so viele Menschenleben gefordert, wären „Himmel und Hölle in Bewegung“, sagte Neubauer. Dann würden „Sondersitzungen nach Sondersitzungen nach Sondersitzungen“ einberufen. Sie warf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor, nicht für die Menschen in Deutschland da zu sein. Dass ihm fast 12.000 Hitzetote „kein einziges Wort wert sind, beschämt mich“, sagte Neubauer.
Bündnis fordert Hitzegipfel
Ein breites Bündnis, zu dem auch „Fridays for Future“ gehört, hatte vor dem Kanzleramt bereits am Mittag mehr Hitze- und Klimaschutz gefordert. In einem Appell verlangen die 36 Organisationen aus der Zivilgesellschaft, den Kirchen und dem Umweltschutz die Einberufung eines Hitzegipfels. Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Greenpeace, der Deutsche Mieterbund und WWF Deutschland. Auch die Grünen schlossen sich den Forderungen an.
Auf dem geforderten Hitzegipfel sollen dem Papier nach Vertreter aus Bereichen wie Bevölkerungsschutz, Gesundheitswesen, Landwirtschaft und Klimawissenschaft Gehör finden. So könne die Regierung „auf eine herausragende Gefährdung unseres Landes“ reagieren, hieß es.
Schutz vor Klimakrise ins Grundgesetz
Die AWO-Vorständin Claudia Mandrysch sagte: „Die Folgen der Klimakrise treffen nicht alle Menschen gleichermaßen.“ Besonders gefährdet seien etwa Ältere, Pflegebedürftige sowie kleine Kinder und Wohnungslose. Viele von ihnen könnten sich nicht aus eigener Kraft vor Hitze schützen. Das Fünf-Punkte-Papier der Organisationen benenne die politischen Entscheidungen, die jetzt notwendig seien.
In dem Dokument verlangen die Verantwortlichen neben einem Hitzegipfel auch, den Schutz vor Gefährdungen durch die Klimakrise als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu verankern.
Gesundheitsorganisationen fordern stärkeren Einsatz der EU
Auch der Berliner Allgemeinmediziner und Vertreter des Klimabündnisses Health for Future, Max Bürck-Gemassmer, warnte bei dem Protest vor dem Kanzleramt vor den gesundheitlichen Folgen hoher Temperaturen. „Die Hitzewellen, die im Juni und Juli 2026 Südwest- und Mitteleuropa heimsuchten, waren eine Katastrophe für die öffentliche Gesundheit“, sagte er.
Bürck-Gemassmer verwies auch auf eine ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte Erklärung der Planetary Health Allianz, in der über 80 europäische Gesundheitsorganisationen einen stärkeren Einsatz der EU für Klima- und Hitzeschutz fordern.



