Berlin, Cotonou (epd). Ein holperiger Start für das Weltsozialforum (WSF) in Benin: Nach einer überraschenden zwischenzeitlichen Absage durch die Regierung hat das WSF am Donnerstag mit zweitägiger Verspätung begonnen. Die eigentlich für Dienstag geplante Eröffnung sei nach einem überraschenden Rückzieher der Regierung Benins schließlich auf Donnerstag verschoben worden, sagte Francisco Marí vom Hilfswerk „Brot für die Welt“ dem Evangelischen Pressedienst (epd). Klimawandel, Ernährungskrisen und weltweite Konflikte machten das WSF anlässlich seines diesjährigen 25. Jubiläums gleichzeitig relevanter denn je.
Statt des WSF-Mottos „eine andere Welt ist möglich“ müsse es eigentlich heißen: „Eine andere Welt ist bitter nötig“, betonte der Agrarexperte, der selbst in der beninischen Stadt Cotonou am WSF teilnimmt. In rund 500 Veranstaltungen werden die mehr als 10.000 Teilnehmenden vier Tage lang über grenzüberschreitende Themen wie Migration, Landwirtschaft, Klima, Kolonialismus und Demokratie diskutieren. Das Forum sei dabei als Austauschort internationaler sozialer Bewegungen gedacht, erklärte Marí. Regierungsvertreter seien explizit nicht beteiligt.
Aktivisten wurde zunächst die Einreise verweigert
Ein Grund für die zwischenzeitliche Absage des Forums sei bislang unklar. Die Regierung habe lediglich „unvorhergesehene Ereignisse“ angeführt, obwohl das WSF seit zweieinhalb Jahren vorbereitet werde, sagte Marí. Durch den Schlingerkurs der Regierung Benins verzögerte sich für einige Teilnehmende die Ankunft in Cotonou: Eine Kolonne aus zehn Bussen mit rund 400 westafrikanischen Aktivistinnen und Aktivisten war laut dem Agrarexperten vom Militär gestoppt und in das Nachbarland Togo eskortiert worden. Zudem sei mehreren Personen am Flughafen die Einreise verweigert worden. Nach der Einigung mit der Regierung wurden die Ausweisungen jedoch zurückgenommen, die Aktivisten seien auf dem Weg zum WSF.
Die Vorkommnisse unterstrichen ein zentrales Thema des Forums: den wachsenden Druck auf die Zivilgesellschaft durch staatliche Repression. In den kommenden Tagen werde diskutiert, „welche Spielräume wir wo noch haben und nutzen können“, wenn Beschränkungen vonseiten der jeweiligen Regierungen zunähmen, sagte der „Brot für die Welt“-Experte.
Klimagerechtigkeit auf der Agenda
Ein weiterer Schwerpunkt der kommenden Tage liegt dem Experten zufolge auf den Auswirkungen des Klimawandels, die in Benin mit dem steigenden Meeresspiegel hautnah erlebbar seien. „Es ist dramatisch, was hier passiert“, sagte Marí. Doch von politischer Seite werde weltweit gebremst, auch in Deutschland: „Wir versprechen Entschädigungen, die dann aber finanziell nicht erfüllt werden“, sagte Marí unter Verweis auf den Klimaentschädigungsfonds, dem die Bundesregierung bei der letzten Klimakonferenz in Brasilien rund 60 Milliarden Euro zugesagt habe. Viele WSF-Teilnehmende aus Ländern, die besonders von den Klimawandelfolgen betroffen seien, seien mit Blick auf diese Entwicklungen wütend und empört.
In Cotonou findet das alle zwei Jahre ausgerichtete WSF zum 17. Mal statt: 2001 wurde es in der brasilianischen Stadt Porto Alegre als Gegengipfel zum Weltwirtschaftsforum im Schweizer Kurort Davos gegründet. Es versteht sich als offene Bewegung und bekennt sich in einer Charta zu Toleranz, Gewaltfreiheit, Demokratie, Menschenrechten und Pluralismus.



