Bündnis demonstriert vor Kanzleramt für Hitzeschutz

Bündnis demonstriert vor Kanzleramt für Hitzeschutz
Die Zahl der Hitzetoten in Deutschland steigt weiter. Ein breiter Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Maßnahmen fordert deshalb einen Hitzegipfel von der Regierung.
06.08.2026
epd
Von Joris Ufer (epd)

Berlin (epd). Ein breites Bündnis hat vor dem Bundeskanzleramt in Berlin mehr Hitze- und Klimaschutz gefordert. Etwa 60 Menschen versammelten sich dort am Donnerstag und hielten Transparente mit Aufschriften wie: „Europa brennt. Regierung pennt.“ In einem Appell fordern 36 Organisationen aus der Zivilgesellschaft, den Kirchen und dem Umweltschutz die Einberufung eines Hitzegipfels. Zu den Unterzeichnern zählen etwa die Arbeiterwohlfahrt (AWO), Fridays for Future, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Greenpeace, der Deutsche Mieterbund und WWF Deutschland. Auch die Grünen schlossen sich den Forderungen an.

Auf dem geforderten Hitzegipfel sollen dem Papier nach Vertreter aus Bereichen wie Bevölkerungsschutz, Gesundheitswesen, Landwirtschaft und Klimawissenschaft Gehör finden. So könne die Regierung „auf eine herausragende Gefährdung unseres Landes“ reagieren, hieß es. Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer von Fridays for Future sprach von einem „historischen Appell“ und mahnte: „Die Kosten für das Verschleppen von Klimaschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen, die tragen wir alle.“

Die AWO-Vorständin Claudia Mandrysch sagte: „Die Folgen der Klimakrise treffen nicht alle Menschen gleichermaßen.“ Besonders gefährdet seien etwa Ältere, Pflegebedürftige sowie kleine Kinder und Wohnungslose. Viele von ihnen könnten sich nicht aus eigener Kraft vor Hitze schützen. Das Fünf-Punkte-Papier der Organisationen benenne die politischen Entscheidungen, die jetzt notwendig seien.

#Aufnahme von Klimaschutz ins Grundgesetz

In dem Dokument verlangen die Verantwortlichen neben einem Hitzegipfel auch, den Schutz vor Gefährdungen durch die Klimakrise als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu verankern.

Eine BUND-Sprecherin erläuterte auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd), die Gemeinschaftsaufgaben „Kommunaler Klimaschutz“ sowie „Naturschutz und Klimaanpassung“ müssten als gemeinsame Verantwortung von Bund und Ländern in Artikel 91a des Grundgesetzes aufgenommen werden, „damit Länder, Kommunen und soziale Einrichtungen dauerhaft mit planbaren und ausreichenden Mitteln ausgestattet werden“. Artikel 91a regelt Gemeinschaftsaufgaben von Bund und Ländern.

Zahl der Hitzetoten steigt weiter an

Der Berliner Allgemeinmediziner und Vertreter des Klimabündnisses Health for Future, Max Bürck-Gemassmer, warnte bei dem Protest vor dem Kanzleramt auch vor den gesundheitlichen Folgen hoher Temperaturen. „Die Hitzewellen, die im Juni und Juli 2026 Südwest- und Mitteleuropa heimsuchten, waren eine Katastrophe für die öffentliche Gesundheit“, sagt er.

Er bezog sich auch auf am Donnerstag veröffentlichte Daten des Robert Koch-Instituts (RKI), wonach die Zahl der Hitzetoten in Deutschland derzeit weiter ansteigt. Bislang sind nach RKI-Schätzungen in diesem Jahr rund 11.900 Menschen infolge hoher Temperaturen gestorben. Bürck-Gemassmer verwies auch auf eine ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte Erklärung der Planetary Health Allianz, in der über 80 europäische Gesundheitsorganisationen einen stärkeren Einsatz der EU für Klima- und Hitzeschutz fordern. Für den späten Nachmittag kündigte Fridays for Future noch eine Demonstration vor dem Bundeskanzleramt an.