Intensivpflegerin: Kliniken nicht auf Hitze vorbereitet

Intensivpflegerin: Kliniken nicht auf Hitze vorbereitet
Für viele Erkrankte ist Hitze ein zusätzliches Gesundheitsrisiko. Doch gerade in Kliniken und Pflegeeinrichtungen mangelt es häufig an Abkühlung, wie das Personal täglich spürt.
05.08.2026
epd
epd-Gespräch: Joris Ufer

Berlin (epd). Viele Gesundheitseinrichtungen sind laut Pflegekräften nicht ausreichend für Hitzewellen ausgestattet. „Wir sind einfach nicht darauf vorbereitet. Und das gilt nicht nur für Krankenhäuser, sondern auch für Altenpflegeheime“, sagte die Berliner Intensivpflegekraft und Betriebsrätin Anja Vogt dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wo es an Maßnahmen zur Kühlung fehle, würden sowohl Patienten als auch das Personal an Hitzetagen stark belastet. Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert angesichts der jüngsten Hitzewellen Investitionen in die Kühlung von Krankenhäusern.

In vielen Gesundheitseinrichtungen gebe es Klimaanlagen derzeit nur in Operationsbereichen und auf Intensivstationen, sagte die im Vivantes Klinikum in Berlin-Neukölln tätige Gewerkschafterin Vogt. Das bestätigten ihr Kolleginnen und Kollegen in anderen Krankenhäusern. „Patientinnen, die irgendwo wegen der Hitze umgefallen sind, kommen dann in Kliniken, die baulich so schlecht aufgestellt sind, dass es auch drinnen sehr heiß ist“, erklärte sie. Für schwer kranke Menschen sei es fast unerträglich, in aufgeheizten Krankenzimmern zu liegen. Auch das Personal arbeite während Hitzewellen oft an der Belastungsgrenze.

Kein Geld für Klimaanlagen

Den Klinikleitungen sind die Probleme laut Vogt bekannt. „Da wird jetzt umgedacht. Viele haben das Thema auf dem Schirm und befassen sich auch mit möglichen Maßnahmen“, führte die Intensivpflegerin aus. An ihrem Arbeitsplatz in Neukölln werde an einem Hitzeschutzplan gearbeitet. Häufig stießen die Vorhaben aber an praktische Grenzen.

Manchen Pflegekräften bleibe aktuell als Hitzeschutz nur, auf ihren Stationen die Vorhänge zuzuziehen. Für notwendige Modernisierungsmaßnahmen mangelt es aus Sicht der Gewerkschafterin vielfach an Geld. Im Zuge der Reformen der Bundesregierung würden die Ausgaben in vielen Gesundheitsbereichen weiter zurückgefahren.

Denkmalschutz sei oft ein Hindernis für den Hitzeschutz

Gerade in Berlin komme zu finanziellen Engpässen noch ein weiteres Hindernis: „Wir haben wahnsinnig viele Kliniken, die sich in alten Gebäuden befinden, die denkmalgeschützt sind“, sagte Vogt. Umbauten etwa für Klimaanlagen seien dadurch oft nicht möglich. Mit Blick auf steigende Temperaturen im Zuge des Klimawandels forderte sie, Hitzeschutz schon beim Bau von Gesundheitseinrichtungen konsequent mitzudenken. „Ich glaube, das wird ein Thema der nächsten Jahrzehnte werden“, sagte die Pflegerin, die auch auf Veranstaltungen der Klimaschutzorganisation „Fridays for Future“ vor den Hitzeproblemen im Gesundheitswesen warnt. Dem müsse sich die Politik stellen.