Potsdam (epd). Nach der Unterstützung eines Suizids muss sich ein 77-jähriger pensionierter Arzt wegen Totschlags vor dem Landgericht Potsdam verantworten. Dem Angeklagten wird nach Gerichtsangaben vorgeworfen, im September 2021 in Potsdam einer psychisch kranken Frau einen Zugang für ein tödliches Narkosemittel gelegt zu haben. Der Prozess hat am Dienstag begonnen. Vorgesehen sind bislang fünf weitere Verhandlungstage bis zum 25. August. (AZ: 21 Ks 2/24)
Die 39-jährige Frau habe an einer neurokognitiven Störung mit wahnhaften Symptomen und einer erheblichen Störung der Realitätskontrolle gelitten, hieß es. Der Arzt habe dies gewusst. Wegen dieser Störung habe sie ihren Willen zum Suizid nicht freiverantwortlich bilden können.
Starkes Narkosemittel
Sie habe in Kenntnis der tödlichen Wirkung des stark dosierten Narkosemittels selbstständig die Infusion in Gang gesetzt, um sich selbst zu töten, hieß es. Dies sei zuvor mit dem Angeklagten vereinbart gewesen. Zwei Minuten später sei sie aufgrund der Dosierung des Narkotikums gestorben.
Das Landgericht Berlin hatte den Mann bereits 2024 wegen Totschlags durch Sterbehilfe für eine schwer depressive 37-jährige Frau zu drei Jahren Haft verurteilt. In dem Fall ging es ebenfalls um einen von dem Mediziner gelegten Zugang zu einer tödlichen Infusion. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil vor einem Jahr bestätigt. (AZ: 5 StR 520/24)
Der Angeklagte verbüße seine Berliner Haftstrafe derzeit im offenen Vollzug, sagte eine Sprecherin des Landgerichts Potsdam dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag.



