Hannover (epd). Stress am Arbeitsplatz hinterlässt immer häufiger gesundheitliche Spuren. Noch nie seien unter den versicherten Berufstätigen der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) so häufig akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen diagnostiziert worden wie im vergangenen Jahr, teilte die Kasse am Sonntag in Hannover mit. Demnach entfielen knapp 119 Krankentage je 100 Versicherte auf diese Diagnose.
Im Jahr zuvor seien es rund 112 Tage gewesen, zu Beginn der KKH-Analyse 2017 nur etwa 66 Tage. Das entspreche binnen acht Jahren einem Anstieg um fast 80 Prozent. Akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen könnten Vorstufen einer Depression sein, warnte die Kasse. Sie seien 2025 die häufigste psychische Diagnose bei Berufstätigen und insgesamt der dritthäufigste Grund für Krankschreibungen nach Infektionen der oberen Atemwege und Rückenschmerzen.
Klare Abgrenzung von Beruf und Freizeit
Neben privaten Belastungen und beruflichem Stress wie hohem Arbeitspensum, Überstunden, Existenzängsten oder Konflikten am Arbeitsplatz seien auch veränderte Arbeitsformen für die Diagnosen verantwortlich. Laut der KKH-Ärztin Aileen Könitz kann die moderne Arbeitsweise mit Laptop und Smartphone zusätzlichen Druck erzeugen. Mobiles Arbeiten und zeitliche Flexibilität bedeuteten nicht automatisch Entlastung, sondern könnten zu dauerhaftem Stress führen, wenn klare Grenzen fehlten.
Auch die sogenannte Arbeitszeitfragmentierung habe Vor- und Nachteile. Die Unterteilung des Arbeitstages könne einerseits die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbessern. Andererseits erhöhten häufige Wechsel zwischen Arbeit und Freizeit sowie Arbeitszeiten am Abend den Zeit- und Leistungsdruck. Zu kurze Ruhezeiten begünstigten langfristig Belastungsreaktionen, chronische Erschöpfung oder einen Burnout.



