Menschenrechtler erinnern an Genozid an Roma in der Ukraine

Menschenrechtler erinnern an Genozid an Roma in der Ukraine
Bei ihrem Angriffskrieg gegen die Sowjetunion vor mehr als 80 Jahren ermordete die deutsche Wehrmacht in der Ukraine auch zahlreiche Roma. Menschenrechtler fordern jetzt ein gleichberechtigtes Gedenken an die Opfer.

Göttingen (epd). Roma in der Ukraine verlangen nach Angaben von Menschenrechtlern, dass der Genozid an ihren Vorfahren stärker in der Erinnerungskultur ihres Landes berücksichtigt wird. „In den von ihnen besetzten Gebieten ermordeten die Nationalsozialisten unsere Vorfahren systematisch“, erklärte Natalia Tomenko von der ukrainischen Organisation „Youth Agency for the Advocacy of Roma Culture“ nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker vom Freitag anlässlich des Europäischen Holocaust-Gedenktags für Sinti und Roma am 2. August.

Verbündete der Nazis hätten Roma im Gouvernement Transnistrien ermordet, das sie auf dem Gebiet der Ukraine eingerichtet hätten. Roma in Transkarpatien seien von den Ungarn, einem weiteren deutschen Verbündeten, ermordet worden.

KInder von Roma haben keinen Zugang zu Schulbildung

Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit in der Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen, sagte, in der Sowjetunion seien Roma nicht als Opfergruppe der Nationalsozialisten anerkannt worden. Im Gegenteil seien negative Stereotypen über sie weiterverbreitet worden. Erst die unabhängige Ukraine habe Schritte unternommen, den Völkermord an den Roma in die Erinnerungskultur zu integrieren.

Die rund 400.000 Roma in der Ukraine litten heute besonders unter dem Krieg Russlands gegen ihr Land, erklärte Reinke. Viele Kinder der Roma-Gemeinschaften hätten keinen Zugang zu Schulbildung. Es fehle an medizinischer Versorgung, Wohnraum und Arbeit.