Mainz, Bonn (epd). Die lang anhaltende Dürre lässt den Wasserstand des Rheins immer weiter sinken. Der für die Binnenschifffahrt wichtige Pegel in Kaub im Mittelrheintal könnte amtlichen Prognosen der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt zufolge am Donnerstag und Freitag unter den tiefsten je gemessenen Wert aus dem Jahr 2018 (25 Zentimeter) fallen. Am Mittwoch lag er nur noch bei 29 Zentimetern, was einer Wassertiefe in der Fahrrinne von 1,43 Meter entsprach.
Der ausbleibende Regen hat nach Auskunft der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz bereits jetzt erhebliche Auswirkungen auf zahlreiche Wirtschaftsbranchen. „Unter einem Pegelstand von 40 Zentimetern bei Kaub ist keine sinnvolle Binnenschifffahrt mehr möglich“, teilte die Organisation dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Bereits in den vergangenen Tagen hätten Schiffe nur noch mit stark reduzierter Frachtmenge auf dem Rhein verkehren können, was die Kosten in die Höhe getrieben habe. Für den uneingeschränkten Betrieb von Großmotorschiffen müsste der Wasserstand im Rhein demnach mindestens um einen Meter ansteigen.
Milliardenschaden durch niedrige Wasserstände
Auch bei Niedrigwasser gebe es weiter Gütertransporte auf dem Fluss, teilte der Verband der Deutschen Binnenschifffahrt mit. Eine behördliche Sperrung des Rheins erfolge „in aller Regel“ nicht, teilte der stellvertretende Geschäftsführer Fabian Spieß dem epd mit: „Die Schifffahrt fährt, solange es sicher möglich ist.“
Laut IHK drohen Versorgungsengpässe bei Rohstoffen wie Kohle, Rohöl und Erdgas, die typischerweise mit Schiffen transportiert werden. Diese Produkte stehen am Beginn zahlreicher industrieller Produktionsketten, weshalb ganz unterschiedliche Industrieunternehmen betroffen seien. Der volkswirtschaftliche Schaden des historischen Niedrigwassers von 2018 werde auf 2, 4 Milliarden Euro beziffert.
Debatte um Fahrrinnen-Ausbau hält an
Wirtschaftsverbände pochen daher auf einen schnellen Ausbau der Fahrrinne insbesondere im Mittelrhein. Die Politik will dies umsetzen, wobei die aktuellen Pläne nicht vorsehen, die Fahrrinne überall tiefer auszubaggern. Stattdessen sollen gezielt Felsen im Rhein geschleift und Sandbänke entfernt werden, die die Binnenschiffer behindern.
Umweltschützer halten diese Pläne allerdings für schädlich. „Das wird die Strömung des Rheins verändern, ohne dass man so richtig weiß, was dann passiert“, sagte die rheinland-pfälzische Landesvorsitzende des BUND, Sabine Yacoub, dem epd. Es bestehe die Gefahr, dass auch ökologisch wertvolle Uferbereiche in Mitleidenschaft gezogen werden, in denen sich die Kinderstuben zahlreicher Fischarten befinden. Zu befürchten sei, dass die Bauarbeiten Schäden anrichten, das Wasser im Fluss aber auch künftig nicht ausreicht.



